bezüglich der immer wieder aufkommenden Klagen der Traditionalisten:
Es gingen zwei Menschen in die Kirche, um zu beten, der eine ein Traditionalist, der andere ein normaler Katholik. Der Traditionalist stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, die Progressiven, Sonntagschristen, Papierkatholiken oder auch wie dieser Kerel da. Ich besuche nur den überlieferten Ritus und empfange den Herrn nur mit dem Mund.
Der einfache Katholik aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.
Nur so ein Gedanke zu der aktuellen Diskussion. Ja, ich weiß auch, daß es auf der modernen Seite viele schlimme Dinge gibt, und glaubt mir, ich bin einer der letzten, der die Jugend"kirche" etc. vollständig gutheißt. Aber was gewinnen wir, wenn wir uns erstens über die erheben, und dann noch, weil man grad so schön dabei ist, sich auch noch über die "moderne" Kirche im allgemeinen ? Wenn wir was gewinnen, dann vielleicht ein paar Tage mehr Aufenthalt im Fegefeuer.
Auch eine Frechheit, vom "überlieferten" Ritus im Gegensatz zum neuen zu sprechen... der ist also weniger "überliefert"? Ok, dann nennen wir den Neuen Ritus von nun an inspirierten Ritus, würd ich vorschlagen.
In dem Sinne denk ich, es ist auch mal wieder Zeit, auf diesen amüsanten Artikel aufmerksam zu machen:
Society of Pius I
9 Kommentare:
Ich finde, das Ummünzen der Geschichte vom Pharisäer auf die Traditionalisten ist zum Teil schon gerechtfertigt (übrigens genauso, wie auf nicht-traditionalistische sog. "orthodoxe Katholiken" - da denke ich etwa an mich selbst...). Allerdings ist das Problem, dass der "normale Katholik", falls er von der "sehr liberalen" Sorte sein sollte, eben nicht hinten stehen bleibt und um das Erbarmen für seine Sünden bittet - sondern diesen Kram für sowieso unnötig und vorgestrig hält...
Na ja. Ich nehme den Leib Christi übrigens auch nie in die Hand, aber das aus persönlicher Überzeugung.
Übrigens bin ich vor kurzem mit einer bulgarischen Freundin gerade zur Kommunion in eine niederländischsprachige Messe in Brüssel reingeplatzt. Sie meinte zu mir: "Bei uns (also bei den Orthodoxen) würden die Leute nie so nach vorne gehen (also Handkommunion nehmen)." Ich sagte ihr, dass es das bei uns auch noch nicht so lang gebe...
Übrigens sind die von den Traditionalisten am meisten bekämpften Dinge ausgerechnet die, die im Novus Ordo gar nicht vorgesehen waren: ad populum, Handkommunion, Händeschütteln zum Friedensgruß...
1.) Ich empfange den Herrn auch mit dem Mund, aber hüte mich, über die Eucharistische Frömmigkeit eines Handkommunikanten zu urteilen.
Außerdem muß man sagen, daß es ein biblisches Argument gegen die Mundkommunion gibt: Jesus schiebt Judas Brot in den Mund. Klar, nicht seinen Leib, aber Kritiker der Mundkommunion könnten schon für sich persönlich entscheiden, daß sie nicht den Herrn in Gestalt des Judas so Essen wollen, wie Judas den Bissen Bort vom Herrn gegessen hat.
2.) Man sollte doch aber bei den Orthodoxen noch erwähnen, daß sie den Herrn in beiderlei Gestalt empfangen, was handkommunionstechnisch nicht gehen würde.
3.) Ob ad populum, Handkommunion und der Freidensgruß gar nicht vorgesehen waren, ist in der Hinsicht zweitrangig, da sie nun fest dazugehören. Die Tradis bekämofen damit meinetwegen das, was inzwischen aus dem Neuen Ritus wurde, aber zum Teil mehr als nur geduldet wird (zum Thema Handkommunion gibt es da einige schöne Äußerungen von Ratzinger.
Wie man persönlich zu den Dingen steht, ist, will man sich als Mitglied der Kirche verstehen, zweitrangig, wichtig ist die Sicht der Kirche.
Ich fand beispielsweise den Friedensgruß früher immer blöd, weil "die Mystik des Augenblickes" dadurch zerstört wurde. Dann hab ich gemerkt, daß die Messe kein mystischer Kick ist, daß wir nicht allein vor den Herrn treten, sondern in der Gemeinschaft mit der Kirche. In der Hinsicht finde ich den Friedensgruß gerade an der Stelle im Ritus vollkommen angebracht.
4.) Der "normale Katholik", wie ich ihn nicht nur in meiner Gemeinde sehe, hat schon, auch wenn er alle Jubeljahre mal in der Kirche ist, ein Sündenbewußtsein.
Der Friedensgruß ist aber ein gutes Beispiel für Maß- und Formlosigkeit in der Praxis. Siehe Redemptionis sacramentum:
71. Der Brauch des römischen Ritus, sich kurz vor der heiligen Kommunion den Friedensgruß zu geben, soll bewahrt werden, wie er im Ordo der Messe festgesetzt ist. Gemäß der Tradition des römischen Ritus hat dieser Brauch nicht den Charakter der Versöhnung oder der Sündenvergebung, er ist vielmehr Ausdruck des Friedens, der Gemeinschaft und der Liebe vor dem Empfang der heiligsten Eucharistie.[151] Dagegen hat der Bußakt, der am Beginn der Messe zu vollziehen ist, besonders in seiner ersten Form, den Charakter der brüderlichen Versöhnung.
72. Es ist angebracht, «daß jeder in schlichter Weise nur seinen Nachbarn den Friedensgruß gibt». «Der Priester kann den Friedensgruß den Dienern geben, bleibt aber immer innerhalb des Presbyteriums, um die Feier nicht zu stören. Dies soll er auch beachten, wenn er aus einem gerechten Grund einigen wenigen Gläubigen den Friedensgruß entbieten will». «Die Art des Friedensgrußes soll von den Bischofskonferenzen», deren Beschluß vom Apostolischen Stuhl rekognosziert werden muß, «entsprechend der Eigenart und den Bräuchen der Völker bestimmt werden».[152]
Man vergleiche damit die Praxis.
Ich gebe den Friedensgruß dem Menschen links von mir und dem rechts von mir.
Was kann der Neue Ritus dafür, wenn sich niemand an ihn hält?
Ein solche Form der Kritik am Neuen Ritus ist genauso schwachsinnig wie die übliche Kritik an der Kirche Marke "Wie kann die Kirche heilig sein bei dem ganzen Kram der während der Kreuzzüge passiert ist?"
Ach ja, ich habe bisher selten Prister erlebt, die zum Friedensgruß das Presbyterium verlassen (leider aber Priester, die zum Vaterunser Kinder um sich versammeln, argh)
P.S.: Wenn ich vom Neuen Ritus spreche, und wenn ich den Neuen Ritus verteidige, dann spreche ich von dem Neuen Ritus, wie er von der Schrift Redemptionis sacramentum vorgegeben ist.
Vollkommen einverstanden. Neulich erst auf blankes Erstaunen gestoßen, als ich die Meinung vertrat, die Beachtung des Messbuches sei keinesfalls optional, sondern vielmehr obligatorisch. In einer Nachbargemeinde, so hörte ich unlängst, spricht man bereits vom "Alten Ritus", wenn derjenige von 1970 gemeint ist - im Unterschied zum tatsächlich praktizierten.
Ich war heute in einer FSSP-Messe, wo das Evangelium vom Weizen und vom Unkraut gelesen wurde (dies war im alten Ritus erst jetzt dran), und dort hat der Priester sehr energisch gegen Leute gepredigt, die die Kirche, so wie sie heute ist, wegen des Unkrauts nicht für die Wahre Kirche halten, sondern sich in irgendeine frühere Zeit zurücksehnen. Es gebe nämlich nur eine Kirche, und außerdem könne ein Sumpf (wenn die heutige Kirche wirklich das wäre) auch nicht so viele Weizenhalme hervorbringen, wie sie es eben tut.... Sehr auf dem Punkt, die Predigt, wie ich finde.
Ja, das gefaellt mir auch. Die einzige Sache, die ich mich frage, ist, ob er den Neuen Ritus als eine andere Art des Weizen oder als Unkraut sieht... Ich hoffe, als ersteres!
@mr94: DAS ist krass. Und das ist ausserdem eine Art von ungehorsam...
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