Die einfältigen Hirten. Ach, die tollen, dummen Hirten. Wären wir nur alle so einfältig, ungebildet, schlicht (usw.) wie die Hirten! Dann würden wir vielleicht auch die Gnade haben, vor der Krippe stehen zu können!
Was hier gerne vergessen wird, ist, daß nicht nur die Hirten das Christkind in der Krippe sahen und verehrten:
Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen. Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.
Ja, es gab auch noch die drei Weisen aus dem Morgenland! Und hier ist doch einiges festzuhalten: Sie kamen von weit her, weil sie den Stern des Herrn aufgehen sahen - was die Welt nicht tat! Die Welt ist so verstrickt in diversestes, aber NICHT in die Suche nach der Wahrheit! Diese drei - ich möchte sagen, Wissenschaftler - haben durch Nachforschung und Beobachtung das Zeichen des Herrn gesehen. Sie kamen nicht, wie Josef Bordat sicherlich ironisch andeutend, irgendeinem Wissenschaftlerklischee gerecht werdend, was weiß ich, das Kindlein zu wiegen, zu quantifizieren, zu prüfen, ob es überhaupt der Sohn Gottes ist. Sie kamen, um ihm zu huldigen.
- Als Physiker finde ich die Passage sehr spannend und ein Vorbild, was gerade wir Wissenschaftler benötigen: Erstens: Unsere Wissenschaft ist auf die Anbetung hin ausgerichtet. Da Gott die Wahrheit ist, ist alles, was real ist, ein Weg zu diesem Herrn und zu seiner Anbetung. Wir "dürfen" nicht nur forschen, es ist unsere Berufung, das Wesen des Universums zu erfassen. Denn dieses Universum zeigt auf den Herrn - wie der Stern das Kommen Christi zeigte.
Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige. ... Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.
Hier lernen wir zwei weitere Dinge: Die Versuchungen der Welt, wie die Welt die Wissenschaft für ihre Zwecke ausnutzen will. Herodes will von den Forschern, die ein (wie es sich zeigt) eindeutiges Mittel zur Auffindung des Herrn gefunden haben, dieses Mittel unter heuchlerischen Argumenten für sich beanspruchen.
Eine Geschichte, die sich immer wiederholte und sich immer wiederholen wird: Die Mächte der Welt, die die Erzeugnisse der Wissenschaft zum Machterhalt ausnutzen. Die Anekdote ist ein Mahnmahl, daß uns Wissenschaftlern aufzeigt, daß man mit der Welt keinen Handel treiben kann.
Das zweite, was wir lernen, ist, daß ein Wissenschaftler sehr wohl offen für die Botschaften "von oben" sein kann, wenn er sich denn nicht verschließt: Im Traum wird ihnen geboten, nicht zu Petrus zurückzukehren, und so ziehen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.
"Auf einem anderen Weg..." - ich glaube es war Josemaria Escriva, der bezüglich dieser Passage aufmerkte, daß die Begegnung mit Christus uns immer aufs neue verändert. Mir gefällt der Gedanke. Nach der Begegnung mit dem Herrn ist ihnen noch mehr bewußt als vorher, daß ihre Aufgabe die Huldigung des Herrn war - nicht, der Welt zu erzählen, wie sie zum Herrn findet. Ihre "Aufgabe" ist letztlich auch ihr Lohn (und wieder so ein schönes Bild für das forschen!): Sie durften den Herrn als mit erste Personen sehen.
Für mich, für alle Wissenschaftler und für die Welt kann ich nur sagen:
Ihr drei Weisen aus dem Morgenland, bittet für uns!
4 Kommentare:
http://129.81.170.14/~tipler/starofbethlehem.pdf
Kurz gesagt: Danke!
Ich bin selbst Quantenchemiker und es ist als Naturwissenschafter nicht immer leicht zu vermitteln, daß sich Forschung, Physik, Chemie, Mathematik, Biologie und andere mit Glauben sehr gut vertragen und das nicht nur indem man sie trennt (Typ: "Der Glaube betrifft nur die Seele"). Dein Sicht auf die drei Weisen aus dem Morgenland ist wunderbar. Sie forschen um zu huldigen! Ihr Weg zu Jesus mag zwar weiter sein als der der Hirten, aber während diese noch staunen und sich wundern wissen jene bereits genau, warum sie auf dem Weg sind.
Ich denke, beide Ansätze sind gut und richtig, die Einfachheit der staunenden Hinnahmen als auch die Erforschung der Geheimnisse Gottes so weit es eben möglich ist. Letzeres macht es nicht immer leichter den Glauben zu bewahren. Man kommt leicht in Versuchung zu denken, man könnte wirklich alles verstehen und damit Gott überflügeln (und dann behaupten, daß es ihn nicht gibt). Der Weg kann da schon einmal weiter sein.
Matthias
@Oli: Vielen Dank für den Link! Für alle anderen: Lesen! ;)
@Thomas: Ich danke für Deinen Kommentar! Ein Quantenchemiker? Cool. Was machst Du? Ich kenne Quantenchemie nur im Zusammenhang mit DFT und ab-initio-methoden (rechnet man Monte-Carlo-Approximationen auch dazu?)... Ich hatte mich mal einige Zeit mit dem GAMESS-Code beschäftigt und in Mathematica eine einfache Monte-Carlo Modellierung von diffusions- und desorptionsprozessen auf Oberflächen geschrieben (die, da der Code sehr schlampig geschrieben war, höllisch langsam ist...). Was machst Du?
@Phil
Bisher hauptsächlich elektronische Strukturtheorie, angeregte Zustände, nichtadiabatische, semiklassische ab-initio Dynamik für Phototprozesse (Retinal, DNA/RNA-Basen, Photoschalter etc.). Zuletzt habe ich dann mit QM/MM gearbeitet (der Teil für hybride Gradienten in Newton-X ist von mir). DFT ist da eher die Ausnahme auch wenn ich es verwende, wenn ich kann, weil es schneller ist. Meistens sind das aber Multireferenz-Systeme, mit denen ich zu tun habe und da geht das dann eher in Richtung CASSCF und MR-CI.
Jetzt bin ich gerade dabei das Kernfach zu wechseln in Richtung Kernwellenfunktionen (wir wollen eine MCTDH-Variante entwickeln). Da habe ich noch eine steile Lernkurve, komplexe Analysis bekommt man als Chemiker noch nicht einmal in der Theoretischen Chemie wirklich mit.
Ja, Monte Carlo ist eine hervorragende Methode für viele Probleme und oft, wenn man das Prinzip verstanden hat recht leicht zu implementieren.
Ich wünsche Dir und Deinen lieben Frohe Weihnachten
Matthias
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