Sag nicht "Der ist ein Trunkenbold", wenn Du ihn einmal betrunken gesehen hast, oder "Der ist ein Ehebrecher", weil Du ihn einmal sündigen sahst (...) Eine einzige Tat rechtfertigt nicht eine solche Bezeichnung (...) Den hl. Petrus darf man nicht blutrünstig nennen, weil er einmal Blut vergossen hat, ebenso nicht einen Flucher, weil er einmal einen Fluch ausgestoßen hat. Um ein Laster oder eine Tugend mit Recht als Beinamen zu erhalten, muß man darin fortgeschritten sein und sie gewohnheitsmäßig üben. Es ist also eine Verleumdung, jemand einen Dieb oder Jähzornigen zu nennen, weil man ihn einmal unehrlich oder zornig gesehen hat.
Sogar wenn jemand lange Zeit lasterhaft war, läuft man Gefahr zu lügen, wenn man ihn lasterhaft nennt. Simon der aussätzige nannte Maria Magdalena eine Sünderin, weil sie es früher war, er sagte aber trotzdem die Unwahrheit, denn sie war es nicht mehr, sondern eine heilige Büßerin. (...) Die Güte Gottes ist so groß, daß ein Augenblick genügt, um seine Gnade zu erflehen und zu erlangen, welche Sicherheit haben wir also, daß der Sünder von gestern es auch heute noch ist? (...) Wir können also niemals einen Menschen schlecht nennen, ohne Gefahr zu laufen, daß wir lügen.
Um mit Recht die Laster anderer zu tadeln, muß es der Nutzen dessen erfordern, über den oder zu dem man spricht.
Vor allem muß ich meine Worte sorgfältig wählen, um nicht ein Wort zu viel zu sagen. Wenn ich z.B. das freie Benehmen eines Burchen oder Mädchens tadle, weil es unschicklich oder zweideutig ist, bei Gott, dann muß ich meine Worte genau abwägen, um die Sache auch nicht im Geringsten zu vergrößern! Wenn etwas nur den Anschein des Schlechten hatte, dann sage ich eben nur das und nicht mehr.... war es weder unklug noch anscheinend schlecht ... , dann sage ich entweder gar nichts oder eben dies. ... Außerdem muß ich beim Tadeln eines Fehlers soviel wie möglich die Person dessen schonen, der ihn begangen hat.
Über öffentliche Sünder, die auch als solche allgemein bekannt sind, darf man sich allerdings freimütig äußern, vorausgesetzt, daß es immer im Geiste der Liebe und des Mitleids geschehe, nicht in selbstgefälligen Hochmut oder aus Schadenfreude, denn es verrät einen niedrigen und gemeinen Geist. ...
Jeder nimmt sich die Freiheit, die Fürsten zu tadeln und ganzen Nationen Schlechtes nachzusagen, je nach seiner Einstellung zu ihnen. Begehe nicht den gleichen Fehler, er ist nicht nur eine Beleidigung Gottes, sondern auch Anlaß zu allen möglichen Streitigkeiten.
Hörst Du lieblos reden, so bezweifle die Anschuldigung, soweit Du kannst, ist auch das unmöglich, dann zeige Mitleid mit ihm und suche das Gespräch auf etwas anderes zu lenken.
Hl. Franz von Sales, bitte für uns!

12 Kommentare:
Nun, was wird denn so über die beiden gesagt? Daß sie die effektivsten Gegner des katholischen -Glaubens im Amte sind? Daß sie nahezu tagtäglich die katholische Kirche blamieren? Und im übrigen immer blamiert haben. Die desaströse Entwicklung in den letzten vier Jahrzehnten ist mit der beiden Werk. Das Drama ist vielmehr, daß isie nicht begreifen, daß sie ihrer Kirche einen wahren Bärendienst geleistet haben. Es wäre besser gewesen, sie hätten während ihrer ganzen Amtszeit ausschließlich geschwiegen.
Johannes, eigentlich alles, was ich von Dir lese, klingt verbittert, sarkastisch und boshaft. Ist das das Bild des Glaubens, daß wir verbreiten sollen? Sind wir vor allem deshalb Glieder am mystischen Leibe Christi, um über die anderen Glieder zu meckern und ihnen den Glauben abzustreiten? Für Dich, da Du antwortest, habe ich einen weiteren Heiligen:
"Der Priester, wer auch immer, ist immer ein zweiter Christus."
"Wie die guten Söhne des Noe sollst Du mit dem Mantel der Liebe die Erbärmlichkeiten zudecken, die Du an Deinem Vater, dem Priester, bemerkst."
St. Josemaria Escriva
Auch wenn ich betreffs Zollitsch und Lehmann eine andere Meinung als Du vertrete - vielleicht bin ich ja nicht informiert -, selbst wenn das alles stimmt - ist dann die Lösung, auf dem eigenen Weblog und ansonsten im Internet Häme zu verbreiten? Und bitte: Komm mir nicht mit dem Wort "Aufklärung". Die Wahrheit beim Namen nennen klingt oft hart, aber nie polemisch.
Nochmal: Ist das der christliche Weg? Du kannst für die beiden beten, als Bischöfe - und gerade, wenn sie viele Fehler machen - werden sie das brauchen können. Du kannst in Deinem Umfeld für eine Glaubensvermittlung sorgen - was weiß ich, sich den Legionären Mariens, dem Opus Dei oder sonst wem anschließen, Glaubenskurse für Jugendliche leiten (wobei hier sicherlich Gemeinden von Fall zu Fall ein Hindernis darstellen können), Du kannst an die Herren Bischöfe und danach vielleicht sogar nach Rom Briefe schreiben. Aber erstens wird sich doch nichts ändern, wenn man einfach weiter im verbitterten Ton schreibt, zweitens, wie gesagt, kann ich keinen christlichen Geist aus manchem Geschriebenen lesen. Denke einfach darüber nach.
Ich habe neulich in meiner eigenen Com-Box geschrieben, daß ich mittlerweile von verhärteten Fronten sowohl innerhalb der Katholischen Kirche als auch im Austausch zwischen den Religionen die Nase gestrichen voll habe.
Und jetzt fällt mir grade ein, wie oft der Heilige Vater in den letzten Monaten von den "Menschen guten Willens" gesprochen und geschrieben hat.
Langsam fallen die Einzelteile an ihre vorgesehenen Plätze, und das große Bild beginnt zu entstehen...
Johannes - wie kann man schreiben, dass der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und ein Kardinal "nahezu tagtäglich die katholische Kirche blamieren"?
Das ist maßlos arrogant.
Zur Ihrer nicht erst heute weit verbreiteten Arroganz passt, dass nur ein flüchtiger Blick auf die Artikel geworfen wird; dann ist das eigene Urteil bestätigt. Nun wird losgeschlagen. Letztes Beispiel war der Papstbesuch im Heiligen Land: Nur irgendwelche Fetzen der Rede des Papstes in Yad Vashem und einige wenige Antworten reichten aus, den ganzen Besuch abzuqualifizieren.
Sie scheinen zu den "Traditionalisten" zu gehören. Auch früher gab es diese Arroganz: uneheliche Kinder wurden für die Sünde ihrer Eltern gebrandmarkt. Diese Zeit möchte ich erst recht nicht wiederhaben - auch wenn heute viel im Argen liegt. Jetzt ist die Antwort zu lang, um gelesen zu werden.
Urteile, die Überzeugung, dass andere mit Sicherheit schlechter sind als man selbst, rauben den Glauben und verhärten das Herz. Ich bin mittlwerweile davon überzeugt, dass der grösste Missionsbedarf innerhalb der Kirche besteht. Weil es leider zu viele Ideologen statt Christen gibt. Polemische Kommentare wie der von Johannes sprechen Bände.
Ich frage mich: Sollte Kardinal Lehmann dürch seine kürzliche Äusserung über den Kreuzestod Christi einen wichtigen und zentralen Glaubensinhalt geleugnet haben, wären ihm Papst und Levadas Kongregation schon längst auf des Fersen.
Scheint so, als hätte der Papst um einiges mehr Urteilsfähigkeit als diverse Hobby-Inquisitoren, die meinen, dem Hl. Vater vorgreifen zu müssen.
Ich schlage Dir vor, werter Johannes, ziemlich bald beichten zu gehen. "Wer seinen Bruder auch nur zürnt, ist dem Gericht verfallen"
Kannste in der Bibel nachlesen.
Jungs und Mädel. Irgendwie habt ihr ja recht, war eine Spur zu deftig. Aber es ist wirklich so, wenn ich in der Zeitung und im internet lese "Lehmann hat geschrieben ..." oder "Zollitsch hat gesagt ..." halt ich die Luft an. Der casus Kermani, der casus Pius-Bruderschaft, der casus "Solidarität statt Kreuzesopfer", die Abstände werden immer kürzer. Ich halte schon die Hände über den Kopf und warte auf den nächsten Einschlag (der soeben erfolgt ist, Zollitsch insinuiert die erneute Exkommunikation der Pius-Bruderschaft) Trotzdem reizt mich irgendwie die Vorstellung, Lehmann und Zollitsch hätten während ihrer Amtszeit einfach NICHTS gesagt, getan, geschrieben. Kein Konflikt wg. Abtreibung, kein Ärger mit Zölibat, Kreuzestheologie etc. pp.
Lieber Johannes,
ich bin davon überzeugt, dass Gott die Kirche trotzdem führt auch wenn einige in ihr hin und wieder Mumpitz von sich geben. Ich bin davon überzeugt, dass Gott grösser ist als jede menschliche Schwachheit, auch die meine.
Ich glaube an den Hl. Geist und vor allem: an die Vergebung der Sünden. Ich habe heute irgendwo folgenden Satz aufgeschnappt:
Wisst Ihr, warum die Kirche so viele Menschen heilig spricht?
Weil sie sich dessen voll bewusst ist, dass sie zum allergrössten Teil aus Sündern besteht.
Viele, auch Du, sitzen den Irrtum auf, dass die Kirche nichts anderes als ein Club der Perfekten ist.
Wenn sie das wäre, hätte es die Erlösung am Kreuz nicht gebraucht. Es bräuchte eigentlich die Sakramente, die Katechesen, ja eigentlich die Kirche nicht.
Das Christentum ist eben keine Ideologie. Und ich überlasse es immer noch dem Papst zu beurteilen, wer in ihr Platz hat, wer "rechtgläubig" ist, und wer nicht.
Liebe Petra. Es klingt etwas beckmesserisch, aber der Papst ist in der Regel nicht für Exkommunikationen zuständig. Auch die Pius-Bischöfe sind nicht "vom Papst" exkommuniziert worden, sie haben sich vielmehr die Exkommunikation als Tatstrafe zugezogen. Ich bin Jurist, entschuldige mich ja jeden Tag dafür. Aber alles mit dem Mantel der Nächstenliebe zudecken? Hat man das in der Geschichte der Kirche etwa immer so gehalten? Ganz bestimmt nicht. Die Kirche wäre sonst zugrunde gegangen.
Lieber Johannes,
es geht mir nicht um die Frage, ob und wer die Piusbrüder exkommuniziert hat, um juristische Fragen also. Um die habe ich mich nicht zu kümmern, das überlasse ich getrost den hochwürdigen Herren im Vatikan.
Der Papst war barmherzig und entsprach der Bitte der vier Bischöfe der Piusbrüder , sie von der Exkommunikation zu entbinden. Und das war imho ein sehr weiser Schritt. Er hat ihnen die Türe zurück in die Gemeinschaft der Kirche aufgeschlossen, hindurchgehen müssen sie aber selbst.
Es wird viel zu viel geredet, lamentiert, schwadroniert als dass man dem Papst einfach einmal vertraut, das gilt für "Konservative" (einigen scheint es ja nicht schnell genug zu gehen) wie Liberale (die die Piusbrüder am liebsten in der Hölle schmorend sähen). Ein bisschen mehr Vertrauen, dass der Papst die Kirche durch die Hilfe des Hl. Geistes führt, täte allen gut. Und wenn er einen Fehler macht, auch gut. Gott benutzt oft die Fehler der Menschen, um zu wirken. Denn er ist grösser als sie.
Also: Gelassenheit.
Und sich vor allem erst einmal um sein eigenes Seelenleben kümmern. Das kostet Kraft und Zeit genug.
Lieber Philmän, ich hab mir jetzt Deines Eintrags wegen die Philothea gekauft. Das wollte ich Dich doch wissen lassen. :)
Wortbestätigung: pudefac. Was auch immer das heißen mag.
Herrscht ja auch, das Buch. Sicherlich, der Tonfall, den Franz anstimmt, ist nicht immer angenehm, aber ich habe noch nie eine so barmherzige und doch strenge, traditionelle und doch moderne Einweisung in das christliche Leben gelesen. Vllt Josemarias "Der Weg" - aber das ist was ganz anderes.
Vielleicht sollte man mal Ratzingers Interviewbücher mit Peter Seewald lesen. Deren Inhalt steht Zollitsch und Lehmann in nichts nach. Oder z. B. den bereits erschienenen Band 11 JRGS (gerade zum Thema Opfer), die "Einführung ins Christentum" etc. (und da hat es bei Ratzinger bis heute keinen Bruch gegeben). Wenn schon, denn schon. Die Piusbrüder sind da immerhin konsequent und beschuldigen nicht nur Zollitsch und Lehmann ständig der Häresie, sondern betrachten seit jeher auch (und gerade) Ratzinger als vom Glauben abgefallenen "Neomodernisten" (im Gefolge von Lubac etc.); man schaue sich ihre Publikationen und die FSSPX-Homepages einfach mal an. Und von dem "Häresiarchen" Wojtyla haben wir jetzt noch gar nicht gesprochen. ;-)
Wortbestätigung: wayrogel; das ist doch was!?
Morgen Kaffee in Dahlem? Hab von 14 bis 16 Uhr einen Termin...
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