Nun, pro-reli ist gescheitert. Das finde ich in vieler Hinsicht schade. Zum einen - was übrigens auch ein Grund für die "ja"-Stimme meinerseits war - ist damit eine Möglichkeit vertan, einem Kultur(en)kampf sinnvoll, "im Dialog" entgegenzutreten. Ich kann das Gejubel der Atheisten und Nonkonformisten nicht ganz verstehen - Religionsunterricht als Wahlpflichtfach müßte seinen Lehrplan vor dem Berliner Senat rechtfertigen müssen. Es wäre von "weltlich-aufgeklärter" Seite eine vorzügliche Möglichkeit, der Bildung eines Fundamentalismus jedweder Art entgegenzusteuern. Zumindest wäre der Berliner Senat im Dialog mit den Religionen, was, denke ich, dem sich immer mehr verschärfenden Streit zwischen den Fronten, die Verbissenheit nehmen könnte.
Was ist nun? Der Religionsunterricht ist "freiwillig" - in den Randstunden, während ein Fach namens Ethik, was versucht, moralische und ethische Werte ohne Bezug auf Gott zu lehren, Pflicht ist - egal, ob man nun Christ, Atheist, Jude, Moselm oder Hindu ist. Ist das denn wirklich das, was Berlin zu einer Weltstadt machen soll? Eine aufgezwungene Uniformität?
Ich erinnere mich an meine Schulzeit. Damals gab es zwar kein Ethik und Religion war auch nicht an Randstunden angesiedelt - aber ich hatte gerade den Glauben für mich entdeckt und war ein Hardliner. Wenn nun der Religionsunterricht ohnehin freiwillig ist - wieso suche ich mir dann nicht diesen nach meinem Gusto? So wurde ich dann vom Opus Dei auf den Glauben und das Leben in der Kirche vorbereitet. Neben dem Opus Dei fallen dem geneigten Leser sicherlich noch andere kirchliche Organisationen ein, die vielleicht nicht gerade das Wohlwollen der Welt genießen, wo, sehen wir der Realität ins Auge, die "aufgeklärte" Gesellschaft lieber uns Bürger fernhalten will - ich denke da bspw. an die FSSPX (oder auf islamischer Seite einige radikalere Bewegungen). Ein Freund von mir hat sich, da ja Religionsunterricht eh freiwillig ist, dann für eine religiöse Ausbildung bei den Piusbrüdern entschieden. Ich weiß nicht, ob die "Freiwilligkeit" des Religionsunterrichtes eine gute Sache ist, wenn dann Jugendliche sich eben für die Religionsausbildung ihres Geschmacks entscheiden. Pubertierende Jungens (bei Mädchen lasse ich andere das Urteil fällen) zumindest neigen dann desöfteren zu Hardlinervorstellungen, die im normalen Religionsbereich nicht befriedigt werden. Was ich befürchte, ist, daß religiöse Jugendliche den Ethikunterricht als das sehen, was eher für sie ist - ein Zwang, der von einer Regierung mit einer anderen Weltanschauung ihnen auferlegt ist - und sich ihre religiöse Bildung dann eher bei Hardlinern holen - und Sorgen macht mir da weniger das Opus Dei als wirkliche Hardliner.
Ein anderer Punkt, der dann auch von religiösen Leuten gerne gesagt wird, ist, daß der Religionsunterricht doch ohnehin Schrott sei. Nun... ja, das stimmt, der real existierende Religionsunterricht an Berliner Schulen ist nicht unbedingt gut (wenn es auch hier Ausnahmen gibt). Aber was will man denn für einen Lernerfolg bei einem freiwilligen Fach, daß Noten zwischen "sehr gut" und "im Allgemeinen gut" gibt, erwarten? Das JAhr im Schwabenland - mein Exiljahr - hat mir gezeigt, daß Religionsunterricht, der gleichberechtigt benotet wird, durchaus Format haben kann. In der Hinsicht war ein wichtiger Punkt für das "ja" beim Volksbegehren, daß dieser Religionsunterricht endlich mal einen sinnvollen Lehrplan bekommt.
Zum dritten: Einige katholische Freunde von mir vertraten die Ansicht, daß der Religionsunterricht zur Glaubensunterweisung nichts tauge. Das mag sein, doch halte ich ihn auch nicht für den richtigen Ort hierfür. Gerade in dem Wahlpflichtfachskonzept, wo man für ein Jahr Ethik, Religion oder Weltanschauungsunterricht hätte wählen können, würde es auch eher um etwas anderes gehen, nämlich, den Glauben vorzustellen. Das wäre gerade im immer feuriger geführten Dialog zwischen den verschiedenen weltlichen Ansichten und den Religionen (oder allgemein den Weltanschauungen untereinander) ein Anfang für einen von gegenseitigen Respekt getragenen Dialog. Und diese Möglichkeit sehe ich beim Ethikunterricht nicht.
Wie dem auch sei, alea iacta est. Wir müssen nun das Beste aus der Wahl machen. Wir haben eine Schlacht verloren, nicht den Krieg, wenn man mir diese militärische Metapher verzeihe. Auch wenn Religion als Wahlplfichtfach zu Dialog, Mission und Glaubensunterweisung vielleicht ein Mittel gewesen wäre - es ist nicht das einzige Mittel, was wir haben. Also, auf in die Zukunft :)
Mittwoch, April 29, 2009
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1 Kommentare:
Wenn ich daran denke, wie Religionslehrer ausgebildet werden - nämlich zumeist im Sinne der "historisch-kritischen Bibelexegese - komme ich eher zu dem Ergebnis, dann lieber eher keinen Religionsunterricht. Tatsächlich habe ich persönlich in meinem Konfirmationsunterricht - der Sonntagsschule also - mehr gelernt, als in der Schule. Aber hier geht es um eine ideologische Alternative - hie Ethik ohne Religion, für die Mehrheit aller ernstzunehmenden Philosophen einschl. Kant eine Unmöglichkeit - dort Religion - ohne Ethik?. D.h. die religiös erzogenen Kinder müssen nicht nur leiden, indem sie zusätzlichen Schulstreß auf sich zu nehmen haben, sie müssen auch noch von Staats wegen "Ethisch unterrichtet" werden. Dies ist etatistischer Fundamentalismus.
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