Mittwoch, Januar 07, 2015

Zu Stallgeruch, Peripherie und Sehnsüchten

Mein Blog ist ja leider durch mein eigenes Verschulden zu einem "alle Jubeljahre"-Blog geworden. Das tut mir leid, ich kann jedoch nur sagen, daß bei mir in Sachen religiösem Bloggen die Luft ziemlich raus ist - leider. Das mag mal wiederkommen, wenn ich aber jetzt was schreib werde ich wahrscheinlich primär bei der Deutschen Chesterton Gesellschaft über Distributismus und ähnliches schreiben. Dazu bilde ich mich im real life ziemlich weiter über interesannte Dinge wie Arduino-Programmierung, FMEA, Design Patterns, doppelte Buchführung mit Ledger undundund. Ihr seht, ich bin weiterhin der Nerd, der ich immer war, nur hier bin ich doch recht still. Ich muß noch sehen, ob und wie ich diesen Blog in mein Leben wieder einbauen kann, das wird sich zeigen.

Aber das ist nicht der Grund, warum ich hier mal wieder was schreibe, ich möchte was anderes schreiben, und dazu hole ich sehr weit, fast zweitausend Jahre und über 2000km weit aus und ergänze das durch meine private Interpretation, die, zugegebenermaßen historisch gegebenenfalls falsch sein kann:

Während Paulus in Athen auf sie wartete, erfasste ihn heftiger Zorn; denn er sah die Stadt voll von Götzenbildern.
Er redete in der Synagoge mit den Juden und Gottesfürchtigen und auf dem Markt sprach er täglich mit denen, die er gerade antraf.
Einige von den epikureischen und stoischen Philosophen diskutierten mit ihm und manche sagten: Was will denn dieser Schwätzer? Andere aber: Es scheint ein Verkünder fremder Gottheiten zu sein. Er verkündete nämlich das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung.
Sie nahmen ihn mit, führten ihn zum Areopag und fragten: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du vorträgst?
Du bringst uns recht befremdliche Dinge zu Gehör. Wir wüssten gern, worum es sich handelt.
Alle Athener und die Fremden dort taten nichts lieber, als die letzten Neuigkeiten zu erzählen oder zu hören.
Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Athener, nach allem, was ich sehe, seid ihr besonders fromme Menschen.
Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch.

Paulus sieht also eine diffuse, vielleicht bei manchen fehlgeleitete Sehnsucht nach einem Gott, den die Athener nicht kennen. In Athen gab es verschiedenste philosophische Strömungen, die, sagen wir es mal plump, an unterschiedlich viele Götter glaubten und eine unterschiedliche Nähe zum griechischen Patheon hatten. Nun gab es also anscheinend unter den Athenern Leute, die erkannten, daß irgendwas mit den klassischen Göttern, von einem mit seiner Schwester verheirateten Zeus und einem seine Kinder essenden Kronos, daß da irgendwas nicht ganz stimmte. Sie bauten sogar ein Standbild, um dieser diffusen Sehnsucht nach der wirklichen Wahrheit Gestalt zu geben. Sicherlich waren diese Leute von manchen klassischen Anhängern der alten Götter als Gefahr gesehen, ordnen sie sich doch nicht den eigentichen Göttern unter sondern stellen einen letztlich behaupteten Gott über alle anderen. Ich frage mich, ob alle am Areopag diesen Altar wirklich gut fanden oder ihn sogar manchmal als Schande für Athen sahen. Ich frage mich auch, ob all die Anhänger des "unbekannten Gottes" einfach gute Menschen waren oder ihn als Entschuldigung für ihren eigenen Egoismus nutzten, wir wissen es nicht.

Paulus, der in der Kultur Athens vieles sieht, was ihn wahnsinnig ärgert, nimmt diesen Altar als den Startpunkt seiner Predigt. Er ist es, der den unbekannten Gott verkündet, zum Trotz der Gruppierungen in Athen, die immer noch alten Göttern fröhnten. Anhänger der alten Götter könnten sagen, daß er eine These vertritt, die diesen Anhängern des unbekannten Gottes in die Hände spielen.

Nun, fast zweitausend Jahre später versammeln sich inzwischen zwanzigtausend Menschen in Dresden unter dem ziemlich sperrigen Motto "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Die Bewegung findet einen breiten Zuspruch nicht nur von Gruppierungen, die unterstützenswert sind. Die Gruppierung wird vom modernen Establishment als Gefahr gesehen. Die Gruppierung selbst tut sicherlich nicht viel dagegen, wenn sie die Presse insgesamt als "Lügenpresse" bezeichnet und kategorisch Interviews mit der Presse ablehnt. Doch ich möchte darauf blicken, wie sich die Kirchen verhalten: Sie schlagen die Türen komplett zu und stellen sich auf die Seite des Profanen. So hat der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD den Leuten, die zu den Demos hingehen, das Christentum per se abgesprochen und auch die Reaktionen der Katholiken sind nicht viel zustimmender - so wird das Licht des Kölner Doms ausgeschaltet (das wars dann wohl mit dem Licht in der Finsternis). Es gibt zwar auch einige nicht komplett ablehnende Stimmen, die betonen, daß man zur Rettung des Abendlandes andere Dinge tun müsse (gerne mit Verweis von wegen jeden Sonntag in die Kirche gehen).

Ist es das, was die Kirche tun sollte? Ich habe vor einiger Zeit mal was von Bischöfen, die nach Stallgeruch riechen sollen gehört. Wenn tatsächlich Nazis bei Pegida mitlaufen - nun, braune Scheiße ist eine der üblichen Duftquellen für Stallgeruch. Ich habe gehört, daß wir Christen mehr zu den Peripherien gehen sollten. Dort in Dresden und inzwischen auch in anderen Städten sind viele Leute, die sich von der Politik und den Medien nicht verstanden fühlen, die sich belogen und betrogen vorkommen - ist das nicht Peripherie? Da sind Leute, die, zumindest dem Namen nach, eine Sehnsucht nach dem (christlichen) Abendland verspüren - nun, es gibt da eine Gemeinschaft, von der ein Teil auf Erden ist und die eine fast zweitausendjährige Erfahrung mit diesem christlichen Abendland haben, daß die anderen meinen, verteidigen zu wollen. Wäre es da nicht ein guter Ansatz, um eben jenen Leuten zu erzählen, was das christliche Abendland ist?

Ihr merkt: Es geht mir nicht um eine Verteidigung oder Glorifizierung von Pegida. Ich möchte, trotz aktueller dramatischer Ereignisse (Stichwort Charlie hebdo), auch nicht über den Islam sprechen - dort gilt ohnehin "Wer Ohren hat, der höre" - Das Gebrüll des Löwen, der um die Welt zieht um zu suchen, wen er verschlingen kann, ist unüberhörbar.

Es geht mir darum, daß die Kirche, wenn sie denn meint, daß Pegida Rattenfänger sind und die Leute, die dieser Bewegung folgen, letztlich einfach geblendet sind - dann bitte heilt sie und macht nicht diesen hämischen Scheiß vom Rest der Welt mit! Sind wir nicht besser?

Es wird, wie ich schon kurz angerissen habe, oft auch betont, daß man ja für ein christliches Abendland sei und auch wegen mancher Entwicklungen im Islam besorgt, aber die Pegida-Leute wählen hier den falschen Ansatz. Man solle doch mehr beten, mehr in die Messe gehen und den glauben offener Leben. Klar, ich stimme vollkommen zu, daß es Weltkrisen gibt, weil es an Heiligen fehlt, aber auch die Heiligen hatten konkretere Pläne. Was heißt denn genau "glauben offener Leben"? Und nein, ich richte die Frage nicht an die Laien, das tun viele Leser ihrem Stand gemäß schon ganz akzeptabel, meine Frage richtet sich an die Bischöfe, an die Priester und Ordensleute, die öffentliche Bekundungen zum christlichen Glauben organisieren könnten. Warum nicht am Montag - oder, wenn man Angst vor einer Gleichsetzung mit Pegida hat, am Dienstag jede Woche eine eucharistische Prozession veranstalten? Warum nicht - wie in so vielen Gemeinden, die Fronleichnamsprozession nicht nur still und leise im eigenen Vorgarten oder gar im Dom, sondern, EGAL, wie das Wetter ist, draußen, dort, in der Peripherie? Wir würden der Welt - denen, die sich nach dem Abendland sehnen und denen, die es verspotten, nicht weniger zeigen als Christus selbst! Wann war außerhalb von zünftigen Wallfahrtsorten die letzte Marienprozession? Feiern wir überhaupt noch Michaelmas?
Es gibt, neben dem offensichtlichen, so viel, was man tun könnte, um ein katholisches Bild dieses christlichen Abendlandes zu zeigen. Aber was machen wir? Während zehntausend Leute Weihnachtslieder singen, geben wir bei Facebook zu bedenken, daß das in der Adventszeit geschieht. Das stimmt zwar, ist aber Schreibtischmission (dieser Blogpost auch, ja, ich weiß).

Mensch, wenn wir uns wirklich sorgen um die Leute, die den "Rattenfängern von Pegida" machen würden, warum gehen wir nicht hin und suchen das Gespräch? Ein Priester aus Österreich, Pater Josef Herget, sucht das Gespräch mit Moslems, knüpft an das an, was sie kennen (bspw Jesus) und verkündet ihnen das Evangelium. Weder betont er nur das Gemeinsame noch verdammt er sie einfach. Auf das wir dieselbe Balance bei Pegida finden!

Dienstag, November 25, 2014

Alle sind diskriminiert.

Da ich Linkshänder bin und das in einem System, daß eindeutig den Rechtshänder bevorteilt (wie jeder, der mit links mal mit dem Füller geschrieben hat, bestätigen kann), bin ich in unserer Welt, in der die Computermäuse meistens rechts liegen und in denen Scheren auf Rechtshänder hin designt sind, diskriminiert. Auf der an sich sehr guten Laufbahn meiner Grundschulzeit lag der Schatten der drei in Handschrift, was bei uns schon als schlechte Note galt. Meine Handschrift, eigentlich Zeichen eines Linkshänders, der verzweifelt versucht, sich diesen Normen anzupassen, war sprichwörtlich schlecht.

Es wird nicht dadurch besser, daß Leute "recht haben", "rechtschaffen" oder "link" sind, sich "linkisch benehmen", in einer Welt, in der die Schafe des Herrn zu seiner Rechte, die Böcke aber zu seiner Linken stehen.

Deshalb bitte ich euch, wenn ihr mit mir redet, solche Worte zu meiden, wenn ihr hier was kommentiert. Redet auch nicht von Gerechtigkeit, sondern von Fairness etc, ihr versteht schon.

#Profx

Sonntag, Oktober 19, 2014

Lebenszeichen, ein Ranting, Herzkasper und Bauernopfer

Ich bitte wirklich um Entschuldigung, daß ich eigentlich nicht mehr blogge. Neben dem Fakt, daß ich im Augenblick einige spannende Freizeitprojekte habe (ich programmiere in Xamarin, schreibe einen Weblog über messtechnische Themen und lerne R) habe ich zwar keine Glaubenskrise in dem Sinne, aber es fällt mir schwer, sich mit einigen Entwicklungen im öffentlichen Leben der Kirche zu identifizieren (ich habe über ein ähnliches Thema schonmal früher geschrieben). Auch wenn ich mit einigen Sachen im aktuellen Pontifikat meine Probleme habe hat das nichts mit Seiner Heiligkeit Papst Franziskus zu tun, es sind auch nicht die "bösen" Bischöfe, es sind auch weder die neopelagianischen Traditionalisten noch die neognostischen Modernisten - eigentlich ist es ein Großteil der an sich ordentlichen Katholiken, zu denen ich mich auch zähle, diese ordentlichen Katholiken, die von Tradis nowadays gerne als "Normalisten" bezeichnet werden.

Schon zu Zeiten von Benedikts Pontifikat haben mich die Wendehälse, die auf einmal eine Reform der Reform forderten und sich und anderen aber trotzdem eine Nahtlosigkeit der Pontifikate von Johannes Paul II. und Benedikt XVI verwundert. Das hat sich nun wiederholt, es wurde viel vom nicht zwischen zwei Päpste passendem Blatt Papier geredet etc. Dazu kam aber noch eine andere Qualität: Leuten, die das angeblich offensichtliche nicht sehen wollten, hat man gern entweder den Verstand oder den rechten Glauben abgesprochen ("Wie jeder mit offenen Augen hätte erkennen können" und "Das sind dieselben Pseudochristen wie die bei 'die Warnung'").

Passend hierzu wurde auch am Ende der Synode vollmundig über etwaige "Alarmisten" gelästert wird, denen gewisse Äußerungen eines Kardinal Kaspers oder eines Kardinal Marx Sorgen machten. Im Nachhinein ist man immer klüger, im Nachhinein bietet auch noch den Vorteil, daß man den Grund seines Lästerns an das Ergebnis hätte anpassen können. Einige von denen, die jetzt altklug "war doch klar, daß sich nichts ändern wird, Petrus ist der Fels" daherschwafeln, waren noch beim Zwischenbericht die, die dazu ebenso altklug "Der Ton ändert sich, aber die Doktrin ist dieselbe" fabulierten.

Wenn inzwischen nicht wenige Vertreter der katholischen Kirche in den Medien eben diese Haltung aufweisen, dann ist die Außenwirkung, daß es sich bei der Kirche um einen Haufen von Wendehälsen handelt. Und dieser Eindruck darf nicht entstehen! Die Kirche ist der mystische Leib des Weges, der Wahrheit (!) und des Lebens. Und da die Kirche eben zum "Treuen und Wahrhaftigen" gehört - was übrigens was ganz anderes als die blasphemische Verzerrung Marke "Die Partei hat immer recht" ist -, müssen wir uns auch um Konsistenz bemühen. Und das fehlt mir zur Zeit, was mir das Bloggen schwer macht.

Warum schreibe ich jetzt darüber? Nun, ihr alle habt die Kausa Kasper mitbekommen. Fassen wir aber nochmal die Geschichte zusammen:

- Kardinal Kasper gibt unter anderem Edward Pentin ein Interview, was auf zenit.org zu lesen ist.
- Im Interview äußert sich Kardinal Kasper etwas ungeschickt über Afrikaner.
"There must be space also for the local bishops’ conferences to solve their problems but I’d say with Africa it’s impossible [for us to solve]. But they should not tell us too much what we have to do."
- Das wurde dann von Kardinal Kasper verneint, er habe so etwas nie gesagt. Das führte dazu, daß das Interview von zenith.org genommen wurde. 
- Edward Pentin, um seinen Ruf und seine berufliche Zukunft besorgt, stellt das Interview mitsamt Audio-Aufnahme auf seine Seite
- Daß nun Kardinal Kasper weiter herumrudert ist ärgerlich, ehrlich gesagt sollte er sich einfach entschuldigen (und zwar sowohl bei Afrikanern als auch bei Edward Pentin) und gut is. 

Was mich aber jetzt wirklich auf gut deutsch ankotzt, ist, daß einige Leute nun anfangen, Herrn Pentin (einem renommierten katholischen Journalisten, der auf ncr auch bloggt) als einen miesen Schmierenjournalisten darzustellen. Besonders Radio Vatikan fällt mir hier besonders übel auf:

Und auf diese Version baut er dann den unausgesprochenen Vorwurf auf, Kardinal Kasper habe sich rassistisch geäußert. Es geht um Werte und Kulturen, so viel ist unumstritten. Der Journalist und seine Helfershelfer haben dann so laut wie möglich „Skandal“ geschrien, schlicht um Kardinal Kasper zu schaden.

Herr Pentin hat das Interview auf zenith.org NICHT unter dem Banner "Cardinal mocks colored people" veröffentlicht - das haben andere daraus gemacht! Es ist eine unverschämte Unterstellung seitens Radio Vatikan, Herrn Pentin einen Rassismusvorwurf zu unterstellen.  Ja, der kam von anderen, aber nicht von Herrn Pentin. Doch ich möchte vor allem auf eine Formulierung eingehen:

Der so genannte Journalist, der das veröffentlich hat...

Betrachten wir doch mal den "so genannten" Journalisten. Wer ist er denn? Ich kenne ihn kaum, ich laß aber mal andere Leute reden - wie wäre es denn beispielsweise mit Herrn Lombardi:

“I value the seriousness and balance of Edward Pentin’s work and his commitment to verifying information.”

Oder lassen wir den National Catholic Reporter sprechen:

“If you need to know better the inner workings of the Vatican, Edward Pentin (the National Catholic Register’s Rome Correspondent) is your man.”

Das ist also unser "so genannter" Journalist, wie Herr Hagenkord ihn bezeichnet. Ein Journalist, der in der katholischen Szene durchaus bekannt ist. Was soll dann hier dieser Rufmord? Ähnliches habe ich so ziemlich sofort nach dem Dementi von Kasper gehört. Man verschließt lieber Augen und Ohren, denn es kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Ist das der Kirche, die eben Abglanz der ewigen Wahrheit sein soll, würdig? Ich bin wirklich enttäuscht von so einem Verhalten, gerade wenn es im Namen unseres Gottes geschieht!

Diese komischen Entwicklungen im Weinberg des Herrn führen dazu, daß es mir zur Zeit schwer fällt, über katholisches zu bloggen, könnt also mal für mich beten.

Samstag, September 13, 2014

A white Russian



A white Russian! Oh for gods sake!

Ein White Russian ist ein eher dickflüssiger Cocktail, den ich, wie ich gestehen muß, eigentlich nur aus oben verlinkter Serie kenne (Nerdfaktor(IT crowd) >> Nerdfaktor(Big Bang Theory)).

Wie komme ich gerade darauf? Nun, beim Nachfolgeblog zu den Klosterneuburger Marginalien wurde die diesjährige Schwester Robusta ausgerufen. And lo and behold, yours truly ist in zwei Kategorien vertreten!

Trägheit hätte ich ja schon gedacht, schließlich habe ich seinerzeit auch hier mal einen Preis ergattert. Daß ich aber zusätzlich noch für bezüglich Cocktail erwähnt bin freut mich ganz besonders! Das ganze Schreiben von Grahams Zahl hat sich also ausgezahlt!

Und was ist ein träger Cocktail? Na, ein dickflüssiger, sehr sahniger Cocktail, yummy!

Also, wählen, marsch marsch! (ok, jetzt erstmal nominieren)

Außerdem freut es natürlich, daß es Leute gibt, die diesen Blog anscheinend häufiger lesen als ich drauf schreibe (was auch keine Kunst ist). Ich möchte auch wieder mehr bloggen, aber irgendwie habe ich zum Einen vieles anderes zu tun, zum Zweiten eine Dauerschreibblockade. Betet doch mal für mich, daß es mal wieder mehr wird bzw ich dem Kraken Facebook entkomme und amüsante Sachen wieder desöfteren hier poste.

Samstag, August 16, 2014

Hauch von Unendlichkeit, die Dritte

So, da ich in verschiedenen Posts über GRahams Zahl geredet habe, dachte ich, daß ich mal ein paar Erklärungsvideos dazu verlinke. Im ersten wird der Sinn hinter der Nummer erklärt:



hier wird ein wenig dargestellt, wie groß diese Zahl ist:



Was mich immer wieder an der Zahl (und natürlich an größeren Konstrukten wie TREE(3) und Rayos number) fasziniert, ist, wie unvorstellbar, mit nichts realem vergleichbar riesig diese Zahlen sind.

Man kann sich das wie folgt klar machen: Die Anzahl der Teilchen im Universum ist auf 10^80 geschätzt. Dh, das Universum besteht aus roundabout 100000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000000 Teilchen. Das ist ne Menge!

Wenn wir nun uns überlegen, wie viele mögliche Universen es durch Vertauschung der Teilchen geben könnte, ist die Fakultät der oben genannten Zahl. Die Fakultät einer Zahl n, als "n!" geschrieben ist das Produkt von n mit n-1 und n-2... bis 1. Also ist die Fakultät von 5 dann 5*4*3*2*1=120

Die Anzahl der Vertauschungen ist also (10^80)!. Klingt wahnsinnig viel, oder? Na ja, die Zahl ist ungefähr ein Googolplex, dh 10^(10^100). Das ist gewaltig viel, ich werde deshalb die Zahl hier nicht hinschreiben.

Aber wie wir vor Jahren hier schon gelernt hatten ist das im Vergleich zur Grahamschen Zahl nichts: Schon G(1)=3^^^^3, was gleichbedeutend mit 3^^^(3^^^3) ist und damit ungefähr 3^^^7600000000000 ist unvorstellbar viel größer.

Ich finde das faszinierend. Da hat der Mensch also eine Zahl konstruiert, die vollkommen jenseits jeglicher realen Repräsentation, ja, jenseits eines großen Teils der Kombinationsmöglichkeiten unseres Universums liegt. Uns fehlen, selbst für G(1), alle Vergleichsmöglichkeiten. Das bekannte Universum ist, Kugelform angenommen, gerade mal 8*10^184 Planklängen^3 groß.

Wow... Wenn wir mit Anselm von Canterbury sagen, Daß Gott größer ist als alles, was wir uns denken können, ist er gewaltig!

Sonntag, Juli 20, 2014

Drohbotschaft statt Frohbotschaft, Bäm!

Familiär und beruflich habe ich einiges bezüglich Arbeitssicherheit mitbekommen. Eine Berufsgenossenschaft, die viel Informationsmaterial diesbezüglich herausbeingt, ist die "Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse". Zu solchem Informationsmaterial gehören auch Broschüren und Poster, die dem Arbeitnehmer die Wichtigkeit von sicherem Verhalten bzw die Folgen von unsicherem Verhalten aufzeigen. So gibt ein Plakat, auf dem folgender Satz steht:

In der Eile vergaß er seinen Schutzhelm. Als er erwachte konnte er sich an nichts mehr erinnern. 
 Es gibt noch weitere Plakate in der Reihe "Das darf nicht passieren". Sie alle haben derart krasse Sprüche Marke "Dynamisch nahm er zwei Stufen auf einmal - die Kollegen machen jetzt seine Arbeit."

Es erinnert an die Kampagne "Kenn Dein Limit"  gegen Alkoholmissbrauch, wo dramatisch die Folgen von unkontrolliertem Alkoholkonsum jungen Leuten vorgeführt werden sollen. Auf Zigarettenpackungen wird nun seit Jahren "Rauchen tötet" oder ähnliches gedruckt. Und ich denke, die Lise ließe sich noch weiter fortsetzen.

Die Welt ist voll von Drohbotschaften. BGEtem weisen nicht darauf hin, wie angenehm das Tragen eines Schutzhelms ist. Kenn Dein Limit und die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln ebensowenig auf den Segen des alkoholfreien bzw tabakfreien Lebens. (Und als Exraucher und Alkoholabstinenzler kann ich sagen: Es ist schön!) Warum machen diese Initiativen nur auf die Gefahren aufmerksam?

Weil sie diese für real halten.

Sie halten sie für so real, schätzen das Risiko bzw die Folgen eines Unfalls als derart katastrophal ein, daß es ziemlich egal ist, daß jemand mit einem Schutzhelm auch cool und professionell aussieht. 

Was mich in der Hinsicht wundert, ist die Haltung vieler Vertreter nowadays in der Kirche zu einem noch finalerem Thema. Christus warnt an verschiedenen Stellen vor der Hölle und selbiges taten die Heiligen durch die Jahrtausende. Selbst der von allen geliebte Poverello, der Namensgeber unseres Heiligen Vaters, singt in seinem Sonnengesang "Guai acquelli, ke morrano ne le peccata mortali" bzw "Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben". Ich habe aber desöfteren als Argumentation für christliches Leben - frei nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel" gehört, daß das Gericht doch weniger wichtig wäre als daß tugendhaft leben eben auch sich quasi gut anfühle.

Das ist ja nicht mal komplett falsch; mit Zigaretten ist es ja auch ähnlich. Man muß ja nicht ständig nur über Lungenkrebs etc reden, man kann auch sagen, daß eine nicht nach kaltem Rauch stinkende Wohnung was feines ist, daß man auf einmal deutlich mehr Kohle hat etc. pp.

Mich wundert nur, daß darauf gar nicht mehr gesetzt wird. Das Warnen vor der Hölle wird gerne - in letzter Zeit auch von durchaus lehramtstreuen Leuten - als verbiestert, finster etc abgetan. Man müsse doch eher positive Brücken bauen als das negative zu betonen. Darauf bin ich schonmal hier eingegangen. 

Ich denke, man sollte, wenn die Hölle real ist (und sie gehört, egal, wie stiefmütterlich sie behandelt wird, zu unserem Glaubenssystem), durchaus auch davor warnen, neben allen positiven Punkten. 

Montag, Juli 14, 2014

Happy birthday, Quo Primum!

Wie ich auf der hardcoretradiSeite Rorate coeli lese feiert die Schrift Quo primum nun 444 Jahre. Na, da gratuliert der phil doch herzlich:




(Quelle: http://www.imagechef.com/t/928a/Kuchen-mit-Nummern)

Wie der passionierte Dymphnat weiß (footnote: Ich setze nun mehr auf Marketing, weshalb ich, in Anlehnung an die Donaldisten, Fans meiner Seite nun einen Namen gegeben hab. Freu Dich, kleine Herde, nun seit ihr nicht mehr namenlos!) hatte ich lange Zeit meine liebe Mühe mit der außerordentlichen Form des alten Ritus. Das hat sich inzwischen mehr als gelegt und ich bedaure herzlichst, daß es im Bistum Erfurt keine alte Messe gibt. Es gibt, wenn man sich mit den Symbolen innerhalb der Liturgie auseinander setzt, durchaus nicht wenig Punkte, die in der AFodeRöRi besser zur Geltung kommen als in der OFodeRöRi (gibt aber auch Punkte für diesen). Ein Argument hat mich jedoch immer gestört, das (hier ein *Schmacht* denken) der Messe der Jahrhunderte, oder, in seiner extremst verschärften, in einigen Sedi-Kreisen beliebten Form, das des Quo Primum.

Quo primum ist ein Argument der Sedis gegen die "Novus-Ordo-Kirche", hatte St. Pius V. doch folgendes festgelegt: 
Let all everywhere adopt and observe what has been handed down by the Holy Roman Church, the Mother and Teacher of the other churches, and let Masses not be sung or read according to any other formula than that of this Missal published by Us.
This ordinance applies henceforth, now, and forever, throughout all the provinces of the Christian world, to all patriarchs, cathedral churches, collegiate and parish churches, be they secular or religious, both of men and of women - even of military orders - and of churches or chapels without a specific congregation in which conventual Masses are sung aloud in choir or read privately in accord with the rites and customs of the Roman Church.

BÄM! In your face, "catholic" church! Nach Jahrhunderten kommt da der Montini-Papst und ändert einfach eine Liturgie, die sich NIIIIEEEE geändert hat! Skandal!

Na ja. Anscheinend sehen das nicht nur modernistische Mitglieder der "Konzilskirche" (auch bekannt als Mitglieder der römisch-katholischen Kirche) anders, sondern auch ein in traditionalistischen Kreisen eher unverdächtiger Blogger, der sich da auch "the rad trad" nennt:

  1. Quo Primum is primarily a legal document promulgating use of a certain liturgical book within the Latin Church. As a legal and administrative act it cannot bind a successor of equal status should he take the proper steps to depart from it.
  2. Neither Pius V, nor any following pope, thought it was such. Two years earlier the same Pius V published Quod a nobis promulgating a Roman Breviary for general use which contains the same rules of use and prohibitions against alterations and threats of Divine retribution as Quo Primum. Urban VIII did not go into schism or heresy by changing the hymns and no one has suggested the 1911 breviary changes were illegal or invalid (although they were unwise).
    (Quelle)
 Wenn Quo primum wirklich ernst gemeint werden sollte, würde schon der Nachfolger von Pius V. die Kirche ins Anathema geführt haben. Genauso wenig Pius XII, trotz der Änderung der Karwoche, die von einigen Tradies (wie auch oben genanntem) als Probe für die Liturgiereform gesehen wird.

Generell kann ich oben genannten Blog empfehlen, für Tradies und moderne gleichermaßen. Man lernt dort vieles über traditionelle bis traditionalistische Sicht der Kirche mit einem Blickwinkel, den man so oft nicht kennt. Guckt mal rauf.