Sonntag, Juli 20, 2014

Drohbotschaft statt Frohbotschaft, Bäm!

Familiär und beruflich habe ich einiges bezüglich Arbeitssicherheit mitbekommen. Eine Berufsgenossenschaft, die viel Informationsmaterial diesbezüglich herausbeingt, ist die "Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse". Zu solchem Informationsmaterial gehören auch Broschüren und Poster, die dem Arbeitnehmer die Wichtigkeit von sicherem Verhalten bzw die Folgen von unsicherem Verhalten aufzeigen. So gibt ein Plakat, auf dem folgender Satz steht:

In der Eile vergaß er seinen Schutzhelm. Als er erwachte konnte er sich an nichts mehr erinnern. 
 Es gibt noch weitere Plakate in der Reihe "Das darf nicht passieren". Sie alle haben derart krasse Sprüche Marke "Dynamisch nahm er zwei Stufen auf einmal - die Kollegen machen jetzt seine Arbeit."

Es erinnert an die Kampagne "Kenn Dein Limit"  gegen Alkoholmissbrauch, wo dramatisch die Folgen von unkontrolliertem Alkoholkonsum jungen Leuten vorgeführt werden sollen. Auf Zigarettenpackungen wird nun seit Jahren "Rauchen tötet" oder ähnliches gedruckt. Und ich denke, die Lise ließe sich noch weiter fortsetzen.

Die Welt ist voll von Drohbotschaften. BGEtem weisen nicht darauf hin, wie angenehm das Tragen eines Schutzhelms ist. Kenn Dein Limit und die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln ebensowenig auf den Segen des alkoholfreien bzw tabakfreien Lebens. (Und als Exraucher und Alkoholabstinenzler kann ich sagen: Es ist schön!) Warum machen diese Initiativen nur auf die Gefahren aufmerksam?

Weil sie diese für real halten.

Sie halten sie für so real, schätzen das Risiko bzw die Folgen eines Unfalls als derart katastrophal ein, daß es ziemlich egal ist, daß jemand mit einem Schutzhelm auch cool und professionell aussieht. 

Was mich in der Hinsicht wundert, ist die Haltung vieler Vertreter nowadays in der Kirche zu einem noch finalerem Thema. Christus warnt an verschiedenen Stellen vor der Hölle und selbiges taten die Heiligen durch die Jahrtausende. Selbst der von allen geliebte Poverello, der Namensgeber unseres Heiligen Vaters, singt in seinem Sonnengesang "Guai acquelli, ke morrano ne le peccata mortali" bzw "Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben". Ich habe aber desöfteren als Argumentation für christliches Leben - frei nach dem Motto "Der Weg ist das Ziel" gehört, daß das Gericht doch weniger wichtig wäre als daß tugendhaft leben eben auch sich quasi gut anfühle.

Das ist ja nicht mal komplett falsch; mit Zigaretten ist es ja auch ähnlich. Man muß ja nicht ständig nur über Lungenkrebs etc reden, man kann auch sagen, daß eine nicht nach kaltem Rauch stinkende Wohnung was feines ist, daß man auf einmal deutlich mehr Kohle hat etc. pp.

Mich wundert nur, daß darauf gar nicht mehr gesetzt wird. Das Warnen vor der Hölle wird gerne - in letzter Zeit auch von durchaus lehramtstreuen Leuten - als verbiestert, finster etc abgetan. Man müsse doch eher positive Brücken bauen als das negative zu betonen. Darauf bin ich schonmal hier eingegangen. 

Ich denke, man sollte, wenn die Hölle real ist (und sie gehört, egal, wie stiefmütterlich sie behandelt wird, zu unserem Glaubenssystem), durchaus auch davor warnen, neben allen positiven Punkten. 

Montag, Juli 14, 2014

Happy birthday, Quo Primum!

Wie ich auf der hardcoretradiSeite Rorate coeli lese feiert die Schrift Quo primum nun 444 Jahre. Na, da gratuliert der phil doch herzlich:




(Quelle: http://www.imagechef.com/t/928a/Kuchen-mit-Nummern)

Wie der passionierte Dymphnat weiß (footnote: Ich setze nun mehr auf Marketing, weshalb ich, in Anlehnung an die Donaldisten, Fans meiner Seite nun einen Namen gegeben hab. Freu Dich, kleine Herde, nun seit ihr nicht mehr namenlos!) hatte ich lange Zeit meine liebe Mühe mit der außerordentlichen Form des alten Ritus. Das hat sich inzwischen mehr als gelegt und ich bedaure herzlichst, daß es im Bistum Erfurt keine alte Messe gibt. Es gibt, wenn man sich mit den Symbolen innerhalb der Liturgie auseinander setzt, durchaus nicht wenig Punkte, die in der AFodeRöRi besser zur Geltung kommen als in der OFodeRöRi (gibt aber auch Punkte für diesen). Ein Argument hat mich jedoch immer gestört, das (hier ein *Schmacht* denken) der Messe der Jahrhunderte, oder, in seiner extremst verschärften, in einigen Sedi-Kreisen beliebten Form, das des Quo Primum.

Quo primum ist ein Argument der Sedis gegen die "Novus-Ordo-Kirche", hatte St. Pius V. doch folgendes festgelegt: 
Let all everywhere adopt and observe what has been handed down by the Holy Roman Church, the Mother and Teacher of the other churches, and let Masses not be sung or read according to any other formula than that of this Missal published by Us.
This ordinance applies henceforth, now, and forever, throughout all the provinces of the Christian world, to all patriarchs, cathedral churches, collegiate and parish churches, be they secular or religious, both of men and of women - even of military orders - and of churches or chapels without a specific congregation in which conventual Masses are sung aloud in choir or read privately in accord with the rites and customs of the Roman Church.

BÄM! In your face, "catholic" church! Nach Jahrhunderten kommt da der Montini-Papst und ändert einfach eine Liturgie, die sich NIIIIEEEE geändert hat! Skandal!

Na ja. Anscheinend sehen das nicht nur modernistische Mitglieder der "Konzilskirche" (auch bekannt als Mitglieder der römisch-katholischen Kirche) anders, sondern auch ein in traditionalistischen Kreisen eher unverdächtiger Blogger, der sich da auch "the rad trad" nennt:

  1. Quo Primum is primarily a legal document promulgating use of a certain liturgical book within the Latin Church. As a legal and administrative act it cannot bind a successor of equal status should he take the proper steps to depart from it.
  2. Neither Pius V, nor any following pope, thought it was such. Two years earlier the same Pius V published Quod a nobis promulgating a Roman Breviary for general use which contains the same rules of use and prohibitions against alterations and threats of Divine retribution as Quo Primum. Urban VIII did not go into schism or heresy by changing the hymns and no one has suggested the 1911 breviary changes were illegal or invalid (although they were unwise).
    (Quelle)
 Wenn Quo primum wirklich ernst gemeint werden sollte, würde schon der Nachfolger von Pius V. die Kirche ins Anathema geführt haben. Genauso wenig Pius XII, trotz der Änderung der Karwoche, die von einigen Tradies (wie auch oben genanntem) als Probe für die Liturgiereform gesehen wird.

Generell kann ich oben genannten Blog empfehlen, für Tradies und moderne gleichermaßen. Man lernt dort vieles über traditionelle bis traditionalistische Sicht der Kirche mit einem Blickwinkel, den man so oft nicht kennt. Guckt mal rauf.