Ich plane seit längerem, eine Reihe über aktuelle Themen in der Physik, speziell in der Chemischen Physik, in der ich zuhause bin, zu schreiben. Man mag sich fragen, was das auf einem Blog mit Namen St.Dymphna zu suchen hat. Sicher, verrückt ist es, "die spinnen, die Physiker". Aber katholisch? Nö, das ist es nicht. Aber erstens schreibe ich auch über diverse andere Themen, zweitens ist es betreffs des Öffentlichkeitsbildes der Christen sicherlich nicht schlecht, wenn einer (hoffentlich *hüstel*) Kenntnis und Leidenschaft an "profanen" Naturwissenschaften zeigt und drittens ist es doch hoffentlich für die Stammleserschaft interessant zu wissen, was der (Experimental-)Physiker an der aktuellen Physik interessant findet.
Bei dem Medienecho, daß die Stringtheorie im Speziellen und die Kosmologie im Allgemeinen in der populären (Pseudo-)Wissenschaftspresse bekommt, mag der Eindruck entstehen, daß der durchschnittliche Physiker jeden Morgen den Lieben Herrgott in Frage stellt, bzw., daß des Physikers hehres Ziel ist, Gott doch endlich mal zu finden. Meiner Meinung nach ist beides vollkommen falsch (und sehr polemisch formuliert). Die meisten Physiker untersuchen keineswegs Grenzfragen, sondern bspw. Prozesse auf Ultrakurzer Zeitskala. Das hat nichts mit den "großen" Fragen nach dem Ursprung des Universums zu tun. Aber es sind meiner Meinung nach nicht minder wichtige und deutlich realistischere Fragen, nämlich danach, wie dieses und jenes Gegenwärtige(!) Phänomen funktioniert. Wie findet ein Ladungstransfer zwischen zwei Molekülen statt? Was macht eine chemische Bindung aus? Auf was für einer Zeitskala agiert diese? Kann man das vielleicht zeitaufgelöst betrachten oder gar kontrollieren?
Diese und viele Fragen mehr sind die Fragen, mit denen ich und meine Kollegen sich beschäftigen, für die wir bereit sind, eine Nacht im Labor zu stehen, das Wochenende als Arbeitszeit zu nutzen und von der Außenwelt seltsam angeguckt zu werden.
"Und Gott?" Wie weiter oben gesagt: Ich suche in meiner Forschung nicht nach Gott, denn ihn habe ich schon gefunden. Was ich mache, ist, einen Aspekt seines Schaffens, der mir besonders zusagt, genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Kind Gottes möchte man doch das Werk des Vaters kennen - ging und geht mir jedenfalls mit meinem Vater so, weshalb ich bis auf ein Paper alle von ihm in meiner Sammlung habe (nebenbei gesagt ist es für einen Menschen in der Oberflächenphysik nicht gerade schlecht, etwas über TEM einerseits und dünne Filme andererseits zu wissen...).
In diesem Post über Physik will ich primär ein paar Links auf den Weg geben, die ein Sprungbrett in die Welt der Physik und Chemie sein können.
- ArXiv
ArXiv ist ein Repository für Paperdrafts vor der Peer Review und allgemein für Veröffentlichungen, die nicht an offizielle Journals gesandt werden. Das ist gleichzeitig der Vor- wie Nachteil: Man findet ALLES drauf. (Fast) jeden Scheiß in Richtung Crackpot Science wie auch sehr interessante Dinge der wirklichen Wissenschaft, und (was ich eine der stärken vom Arxiv finde) alles dazwischen, also auch Paper von Herrn Tipler, die nicht 100% der trockenen Wissenschaft anzurechnen, aber auch kein purer Schrott sind.
Ein weiteres Problem ist, daß es zu viele Einsendungen jeden Tag gibt, wodurch man kaum auf dem Laufenden bleiben kann. Um hier wenigstens ein wenig mitzukommen, kann ich
- den Arxiv Blog Euch wärmstens ans Herz legen. Hier wird letztlich das Breite Spektrum der (theoretischen) Physik dargeboten, the good, the bad and the ugly werden hier erwähnt. Die Links zu den Papern werden kommentiert und danach kann man, wie es eben auf Blogs üblich ist, darüber diskutieren. Das wird leider vor allem von einem AWT-Knallkopf genutzt. Auf technologyreview kann man ohnehin sich etwas umsehen, so ist bspw der TR-Editors blog immer mal wieder einen Blick wert.
- Physics - spotlightning exceptional research . Hier wirds extrem cool und verdammt offiziell. Was man hier findet, sind Zusammenfassungen und Kommentare von namhaften Wissenschaftlern zu so-called "Editors Suggestions" aus den Physical Review-Zeitschriften. Problem ist, daß es hier wirklich ans Eingemachte geht, aber dafür bekommt man live und in Farbe mit, was den Physiker von heute beschäftigt. Außerdem sind hier immer wieder echte PRL-Paper uä für otto-normal-verbraucher for free runterzuladen. Ich habe zwar über meinen Uniaccount diesen Zugang immer, aber für alle anderen kann das Hobby Paperlesen extremst teuer werden. Da freut man sich über sowas.
- Science Daily ist eher populärwissenschaftlicher, was auch der Vorteil ist. Die Themen, die herausgesucht werden, sind jedoch handfest wissenschaftliche Themen, jedoch für den Laienleser aufbereitet. Highly recommended.
So, wie gesagt, das soll ein Anfang sein. Ich hoffe, Interesse geweckt zu haben. Für Fragen, Anregungen etc. steht natürlich die Kommentarfunktion immer zur Verfügung.
Freitag, November 06, 2009
Montag, November 02, 2009
Allerseelen
Allerseelen ist natürlich eine der großen Gelegenheiten, an jene zu denken, die uns vorangegangen sind. Das bedeutet in meinem speziellen Fall meine Mutter. Zwar habe ich es leider Gottes verpennt, an meine Gemeinde zu schreiben, auf daß für sie gebetet wird (dieses Jahr), aber ich hab ihr ja streng genommen auch schon mehr als einen vollkommenen Ablaß aufgeopfert :)
Doch auch wenn dem so ist, bietet sich eben der Tag an, an jene Personen zu denken, für sie zu beten und sie um Fürsprache zu bitten. Und, ganz banal, mal wieder hallo zu sagen. Aus dem Trott des Alltages, der viel zu schnell nach dem Tod einer Person, die man liebt, eintritt, ganz bewußt auch nur für eine kurze Zeit zu entkommen und zu merken, wie sehr doch diese Person einem fehlt.
In dem Sinne war ich heute mal wieder am Grab meiner geliebten Mama. Wäre der Regen und die bittere Kälte nicht gewesen, wäre ich auch, wie bei meinen letzten zwei Besuchen, etwas länger geblieben, aber so hoffe ich doch, daß sie (und der Herr!) dieses Opfer, früh aufzustehen und bei diesem widerlichen Wetter ihrem Grab einen Besuch abzustatten, zu schätzen weiß.
Ich fragte mich, wie auch schon bei den anderen beiden Besuchen, was sie wohl vom weiteren Lebensweg ihrer Kinder so hält. Der eine als Doktorant unterwegs (und alle ihre Blumen auf dem Gewissen hat *räusper*), der andere nun verheirateter Vater eines ziemlich lebendigen kleinen Joschuas. Sicherlich wäre sie stolz auf uns. Sie würde sich zwar ärgern, daß der eine seinen Ambitionen, Lateinlehrer zu werden, nicht nachging, daß der andere ein slackiges leben allein führt, wird sie auch stören und sie wird sicherlich den Herrn Vater wieder dafür verantwortlich machen, daß wir zugenommen haben :) Jedenfalls, in solchen Momenten vermisse ich sie wirklich, ihren einzigartigen Wiener Humor, ihre Zunge, scharf wie ein Schwert, ihr offenes Ohr.
Aber als Katholik weiß ich, daß es ein Wiedersehen geben wird.
CU in heaven, Mama!
P.S.: Ich hoffe natürlich auch, daß ich Opa Werner wiedersehe, ich hab nur jetzt nicht so viel über ihn geschrieben, weil ich sein Grab (da nicht in Berlin etc) nicht so leicht besuchen konnte. Aber auf Deine Derben Witze und Deinen altberliner Akzent wird man hoffentlich auch nicht in den himmlischen Sphären und später dann im himmlischen Jerusalem verzichten müssen.
Doch auch wenn dem so ist, bietet sich eben der Tag an, an jene Personen zu denken, für sie zu beten und sie um Fürsprache zu bitten. Und, ganz banal, mal wieder hallo zu sagen. Aus dem Trott des Alltages, der viel zu schnell nach dem Tod einer Person, die man liebt, eintritt, ganz bewußt auch nur für eine kurze Zeit zu entkommen und zu merken, wie sehr doch diese Person einem fehlt.
In dem Sinne war ich heute mal wieder am Grab meiner geliebten Mama. Wäre der Regen und die bittere Kälte nicht gewesen, wäre ich auch, wie bei meinen letzten zwei Besuchen, etwas länger geblieben, aber so hoffe ich doch, daß sie (und der Herr!) dieses Opfer, früh aufzustehen und bei diesem widerlichen Wetter ihrem Grab einen Besuch abzustatten, zu schätzen weiß.
Ich fragte mich, wie auch schon bei den anderen beiden Besuchen, was sie wohl vom weiteren Lebensweg ihrer Kinder so hält. Der eine als Doktorant unterwegs (und alle ihre Blumen auf dem Gewissen hat *räusper*), der andere nun verheirateter Vater eines ziemlich lebendigen kleinen Joschuas. Sicherlich wäre sie stolz auf uns. Sie würde sich zwar ärgern, daß der eine seinen Ambitionen, Lateinlehrer zu werden, nicht nachging, daß der andere ein slackiges leben allein führt, wird sie auch stören und sie wird sicherlich den Herrn Vater wieder dafür verantwortlich machen, daß wir zugenommen haben :) Jedenfalls, in solchen Momenten vermisse ich sie wirklich, ihren einzigartigen Wiener Humor, ihre Zunge, scharf wie ein Schwert, ihr offenes Ohr.
Aber als Katholik weiß ich, daß es ein Wiedersehen geben wird.
CU in heaven, Mama!
P.S.: Ich hoffe natürlich auch, daß ich Opa Werner wiedersehe, ich hab nur jetzt nicht so viel über ihn geschrieben, weil ich sein Grab (da nicht in Berlin etc) nicht so leicht besuchen konnte. Aber auf Deine Derben Witze und Deinen altberliner Akzent wird man hoffentlich auch nicht in den himmlischen Sphären und später dann im himmlischen Jerusalem verzichten müssen.
Rise up, rise up catholic rise up...
Yeah, unsere amerikanischen Brüder erheben sich.
"No man is free until al men are free" wird in dem Lied, dessen Refrain ich so schamlos für meine Zwecke klaute, gesungen - und das kann und muss (!) auch für das elementarste Recht von allen gelten: Das Recht auf Leben. Joah, da kann man nur sagen, daß ich im Gebet verbunden bin.
"No man is free until al men are free" wird in dem Lied, dessen Refrain ich so schamlos für meine Zwecke klaute, gesungen - und das kann und muss (!) auch für das elementarste Recht von allen gelten: Das Recht auf Leben. Joah, da kann man nur sagen, daß ich im Gebet verbunden bin.
Sonntag, November 01, 2009
Frohes Fest Allerheiligen!

Heute war die Messe auch wirklich dem Anlaß entsprechend wunderbar! Nur hat mich hier mal wieder was gewundert, was mich jedes Jahr wieder bei der Predigt bzw. der Betrachtung am Vortag wundert: Warum redet man jedes Jahr davon, was es heißt, heilig zu sein? Sicher, das ist eine wichtige Sache, aber ich finde es schade, daß nicht mal darüber geredet wird, was die Heiligen im Himmel für uns auf Erden bedeuten. Klar, sie sind Fürsprecher, das weiß ich auch. Aber jedenfalls mir geht es oft so, daß ich die Heiligen quasi vergesse.
Und so, liebe Blogozesianer die Frage an Euch: Wie sieht, ganz praktisch, die Heiligenverehrung in Eurem Leben aus? Was für Heilige ruft ihr wann an, was für Brauchtum praktiziert ihr etc?
Ich kann ja mal den Anfang machen. Das einzige, was ich wirklich praktisch in Sachen Heiligenverehrung tu, ist, täglich für meine Arbeit zu beten. Dabei rufe ich verschiedene Patrone der Studenten und Naturwissenschaftler an (Nach einem Barmherzigkeitsrosenkranz btw.), und zwar:
- Thomas Aquinas
- Albertus Magnus
- Gregor der Große
- Cosmas & Damianus (wobei ich in der Rückschau mich wundere, wie ich darauf kam, daß NW öä ihr Patronat wäre - jedenfalls haben sie bisher gute Dienste geleistet)
- Ludwig IX
- Hildegard von Bingen
als (noch) nicht heilig/selig gesprochene rufe ich dann noch den Ehrwürdigen Diener Gottes Isidoro Zorzano an und einen verstorbenen ehemaligen Professor meiner Fakultät (und sehr aktiven Opus Dei-Mitglied).
Gerade bei Vorträgen ist es ein beruhigendes Gefühl, diese "scientific gang" hinter sich zu haben. In der Hinsicht ist heute natürlich auch ein Tag, mal diesen Arbeitskollegen im Himmel ein DANKESCHÖN zu sagen!
So, nu seid ihr an der Reihe.
Sonntag, Oktober 25, 2009
FSSPX und so
ZUSAMMENFASSUNG (ich neige ja zum Schwadronieren):
Die FSSPX ist mir eigentlich recht willkommen. Sie brauchen auch keine glühenden V2-Verehrer zu werden, die JOHN PAUL TWO - WE LOVE YOU skandieren, sie sollen nur akzeptieren, daß es das Zweite Vatikanum und die Liturgiereform gibt und beides nicht falsch ist. Ich denke (und das hat mir ein FSSPX-Vertreter gesagt), daß es für die Texte des Zweiten Vatikanums Lesarten gibt, die der FSSPX eher entsprechen und mit denen sie sich konstruktiv und gewinnbringend als etwas traditionellere Kraft in die Kirche einfügen würden. Aber: Einfügen, nicht Umwerfen - so lautet die Devise in der Kirche.
Nun der eigentliche Text (ich habs mal Marke Paper mit Abstract und danach langem Gerede probiert):
Nun bald fangen - gottlob - die Sondierungsgespräche zwischen der Piusbruderschaft und der Glaubenskongregation an. Darüber - oder allgemein die Piusbruderschaft - wird vielerorts diskutiert, zum Beispiel bei Bloggerkollegin Elsa, bspw. hier . Es mag der Eindruck entstanden sein, daß es mir dabei primär um die FSSPX geht, aber da hat man mich falsch verstanden bzw. ich mich falsch ausgedrückt. Ich sorge mich nicht um die Piusbruderschaft, sondern um die Kirche, weshalb ich nun auch die Gespräche interessiert verfolgen werde!
Letztlich erwarte ich von Herrn Fellay etc. gar nicht, daß sie auf einmal die großen JP2- und Konzilsliebhaber werden. Das kann man von einer Gruppierung von Leuten, die sicherlich ihre Gründe hatten, das Konzil abzulehnen, nicht von heute auf morgen erwarten. Was ich jedoch erwarten würde, wäre wenigstens eine Äußerung, daß sie sich mit dem Konzil und dem Lehramt der darauf folgenden Päpste befassen werden. Aber selbst wenn das nicht kommt - das ist nicht der Grund, warum ich derart hinterher bin.
Was mich langsam wirklich sorgt, ist, wie die Kirche damit umgehen wird. Wenn die Gespräche mit der FSSPX fertig sind, wird das auch eine Selbstdefinition der Kirche zum Konzil etc. sein. Und wenn nun daraus wird, daß man es mit dem Konzil und dem Lehramt der darauf folgenden Päpste wie ein Dachdecker halten kann, wenn man nur alle Tradition vorher akzeptiert, dann können die werten Herren Blogger von NLM etc. von der Hermeneutik der Kontiniutät noch zehnmal sprechen - dann ist hier ein Bruch geschehen, indem man nämlich die Geschichte der letzten vierzig Jahre ungeschehen machen will.
"Das ist unrealistisch"? Na ja, so viel ereifernde Sympathie mit einer Gemeinschaft, die eben die real existierende Kirche, in der sich viele von uns trotz aller Widerfahrnisse doch zuhause fühlen PER SE als Irregeleitet hält, wie man sie unter doch angeblich Kirchentreuen Katholiken findet - gepaart mit einer bissigen Polemik gegen Mitglieder des Episkopats... da fragt man sich doch die Gretchenfrage:
Wie haltet ihrs denn mit dem Konzil? Sich hier jetzt mit der absolut peinlichen Petition Vaticanum rausreden bringts nich, nicht alle, die das Zweite Vatikanum und das Lehramt von Paul VI., Johannes Paul I. und vor allem Johannes Paul II. wichtig finden (und es gerade in diesen Tagen betonen!), sind automatisch Frauenpriesterinnen, die Dönerfladenschwingend mit der Freundin des ansässigen Priesters durch Linz marschieren. Ich kenne gerade auf charismatisch-katholischer Seite Christen, dessen Eifer fürs Evangelium wahrscheinlich einige von uns weit, weit in den Schatten stellen würde - jedenfalls mich läßt er sehr kleinlaut werden. Und dieser Eifer, dieser lebendige Glaube an die Realpräsenz des Herrn in der Eucharistie ist da TROTZ Klampfen und Handkommunion. Es ist nicht mein Weg - diese Lobpreisliedchen finde ich widerlich - aber ich werde der Allerletzte sein, der diesen Christen die Daseinsbereichtigung in der Kirche abspricht.
Und ja - ich bin ein Freund der ordentlichen Form des römischen Ritus. Ich ziehe sie der außerordentlichen Form trotz aller Linzer Pseudomessen vor (daß ich die außerordentliche Form den Linzer Pseudomessen vorziehe, brauche ich hoffentlich nicht extra zu erwähnen). Jedoch sehe ich in der außerordentlichen Form nicht nur eine eine "auch gültige" Form der Messe, sie bietet die Basis für eine wunderschöne Bereicherung des liturgischen Lebens jeder Gemeinde. Aber die Akzeptanz, die ich dem außerordenlichen Ritus entgegenbringe erwarte ich auch umgekehrt. Inzwischen scheint man jedoch der Meinung zu sein, daß ein Katholik, der es etwas ernster mit dem Glauben meint, die Alte Messe doch (Latein, Choral etc.) bevorzugen müsse - und sorry, da brauch man nicht noch eine Gemeinschaft, die hier eine noch militantere Meinung vertritt.
Es wird noch eine noch realistischere Sorge, wenn man übelegt, daß die FSSPX nun schon vor den Gesprächen in Lourdes zelebrieren darf und die Bischöfe, die die Priesterweihen mitte dieses Jahres nicht guthießen, mit Schimpf und Schande beladen wurden. Anscheinend braucht es keine Akzeptanz eines Konzils, um die eifrige Begeisterung eines papsttreuen Katholiken zu erhalten.
Die FSSPX ist mir eigentlich recht willkommen. Sie brauchen auch keine glühenden V2-Verehrer zu werden, die JOHN PAUL TWO - WE LOVE YOU skandieren, sie sollen nur akzeptieren, daß es das Zweite Vatikanum und die Liturgiereform gibt und beides nicht falsch ist. Ich denke (und das hat mir ein FSSPX-Vertreter gesagt), daß es für die Texte des Zweiten Vatikanums Lesarten gibt, die der FSSPX eher entsprechen und mit denen sie sich konstruktiv und gewinnbringend als etwas traditionellere Kraft in die Kirche einfügen würden. Aber: Einfügen, nicht Umwerfen - so lautet die Devise in der Kirche.
Nun der eigentliche Text (ich habs mal Marke Paper mit Abstract und danach langem Gerede probiert):
Nun bald fangen - gottlob - die Sondierungsgespräche zwischen der Piusbruderschaft und der Glaubenskongregation an. Darüber - oder allgemein die Piusbruderschaft - wird vielerorts diskutiert, zum Beispiel bei Bloggerkollegin Elsa, bspw. hier . Es mag der Eindruck entstanden sein, daß es mir dabei primär um die FSSPX geht, aber da hat man mich falsch verstanden bzw. ich mich falsch ausgedrückt. Ich sorge mich nicht um die Piusbruderschaft, sondern um die Kirche, weshalb ich nun auch die Gespräche interessiert verfolgen werde!
Letztlich erwarte ich von Herrn Fellay etc. gar nicht, daß sie auf einmal die großen JP2- und Konzilsliebhaber werden. Das kann man von einer Gruppierung von Leuten, die sicherlich ihre Gründe hatten, das Konzil abzulehnen, nicht von heute auf morgen erwarten. Was ich jedoch erwarten würde, wäre wenigstens eine Äußerung, daß sie sich mit dem Konzil und dem Lehramt der darauf folgenden Päpste befassen werden. Aber selbst wenn das nicht kommt - das ist nicht der Grund, warum ich derart hinterher bin.
Was mich langsam wirklich sorgt, ist, wie die Kirche damit umgehen wird. Wenn die Gespräche mit der FSSPX fertig sind, wird das auch eine Selbstdefinition der Kirche zum Konzil etc. sein. Und wenn nun daraus wird, daß man es mit dem Konzil und dem Lehramt der darauf folgenden Päpste wie ein Dachdecker halten kann, wenn man nur alle Tradition vorher akzeptiert, dann können die werten Herren Blogger von NLM etc. von der Hermeneutik der Kontiniutät noch zehnmal sprechen - dann ist hier ein Bruch geschehen, indem man nämlich die Geschichte der letzten vierzig Jahre ungeschehen machen will.
"Das ist unrealistisch"? Na ja, so viel ereifernde Sympathie mit einer Gemeinschaft, die eben die real existierende Kirche, in der sich viele von uns trotz aller Widerfahrnisse doch zuhause fühlen PER SE als Irregeleitet hält, wie man sie unter doch angeblich Kirchentreuen Katholiken findet - gepaart mit einer bissigen Polemik gegen Mitglieder des Episkopats... da fragt man sich doch die Gretchenfrage:
Wie haltet ihrs denn mit dem Konzil? Sich hier jetzt mit der absolut peinlichen Petition Vaticanum rausreden bringts nich, nicht alle, die das Zweite Vatikanum und das Lehramt von Paul VI., Johannes Paul I. und vor allem Johannes Paul II. wichtig finden (und es gerade in diesen Tagen betonen!), sind automatisch Frauenpriesterinnen, die Dönerfladenschwingend mit der Freundin des ansässigen Priesters durch Linz marschieren. Ich kenne gerade auf charismatisch-katholischer Seite Christen, dessen Eifer fürs Evangelium wahrscheinlich einige von uns weit, weit in den Schatten stellen würde - jedenfalls mich läßt er sehr kleinlaut werden. Und dieser Eifer, dieser lebendige Glaube an die Realpräsenz des Herrn in der Eucharistie ist da TROTZ Klampfen und Handkommunion. Es ist nicht mein Weg - diese Lobpreisliedchen finde ich widerlich - aber ich werde der Allerletzte sein, der diesen Christen die Daseinsbereichtigung in der Kirche abspricht.
Und ja - ich bin ein Freund der ordentlichen Form des römischen Ritus. Ich ziehe sie der außerordentlichen Form trotz aller Linzer Pseudomessen vor (daß ich die außerordentliche Form den Linzer Pseudomessen vorziehe, brauche ich hoffentlich nicht extra zu erwähnen). Jedoch sehe ich in der außerordentlichen Form nicht nur eine eine "auch gültige" Form der Messe, sie bietet die Basis für eine wunderschöne Bereicherung des liturgischen Lebens jeder Gemeinde. Aber die Akzeptanz, die ich dem außerordenlichen Ritus entgegenbringe erwarte ich auch umgekehrt. Inzwischen scheint man jedoch der Meinung zu sein, daß ein Katholik, der es etwas ernster mit dem Glauben meint, die Alte Messe doch (Latein, Choral etc.) bevorzugen müsse - und sorry, da brauch man nicht noch eine Gemeinschaft, die hier eine noch militantere Meinung vertritt.
Es wird noch eine noch realistischere Sorge, wenn man übelegt, daß die FSSPX nun schon vor den Gesprächen in Lourdes zelebrieren darf und die Bischöfe, die die Priesterweihen mitte dieses Jahres nicht guthießen, mit Schimpf und Schande beladen wurden. Anscheinend braucht es keine Akzeptanz eines Konzils, um die eifrige Begeisterung eines papsttreuen Katholiken zu erhalten.
Donnerstag, Oktober 22, 2009
My Way bei Beerdigungen und andere Greueltaten auf Gottes Erde.
Geistlicher beklagt zu viele weltliche Lieder bei Beerdigungen .
Da hats mir etwas die Sprache verschlagen und ich muß sagen, daß mir hier auch das Einfühlungsvermögen fehlt (EDIT: Ich finde, daß dem Geistlichen das Einfühlungsvermögen fehlt). Oder zumindest die richtige Taktik, denn man kann beides - ein weltliches Lied und eine geistliche Beerdigung - miteinander verbinden, wenn man es denn clever macht.
Als meine Mutter starb, standen wir Katholen (sprich mein Vater, mein Bruder und ich) vor dem Problem, daß erstens meine Mutter wünschte, daß "Seasons in the Sun" auf ihrer Beerdigung laufen sollte (hier komme ich noch auf einen Punkt von wegen "Glaube an Auferstehung bleibe auf der Strecke), zweitens die Ungläubigen/Gläubigen-Quote ca 50/50 stand (wenn ich es mir recht überlege: Nicht mal das); vor allem der Lebensgefährte meiner Mutter nicht religiös war. Ja, ich weiß, hier geht es nicht um weltlichen Gefallen etc. - aber man muß meiner Meinung nach schon dafür sorgen, daß jeder von einer Trauerfeier einen Funken Hoffnung mitnehmen kann. Und damit man die Herzen öffnet, kann man auch zwei Schritte - nicht den ganzen Weg - entgegen gehen.
In unserem konkreten Fall hieß das, daß nach der Versammlung in der Kapelle von einer langjährigen Freundin (und meines Vaters - ja, und meines Bruders und mir) einige Worte gesprochen wurden - ich muß gestehen, ich weiß gar nicht mehr, ob noch jemand ein "weltliches Gedächtnis" gestiftet hat -, dann wurde dieser weltliche Part mit Seasons in the sun abgeschlossen, worauf die katholische Trauerfeier begann.
Damit waren alle zufrieden. Die Katholen hatten eine würdige, christliche Trauerfeier (mit einer sehr schönen Predigt übrigens), die Atheisten und Agnostiker hatten zuvor einige Worte des Gedächtnisses. Auch die zeitliche Abfolge hat mir gefallen; daß nach dem weltlichen Gedächtnis der Hinweis auf etwas, was über dieses Gedächtnis hinausgeht, vorhanden ist. Ich weiß von den nicht gläubigen, daß die Worte des Priesters und der ganze Ritus sie tief berührt hat. Und, plump gefragt: was will man (erstmal) mehr?
Mit der Erinnerung im Hintergrund finde ich das, was der Priester sagte, einfach nur nicht durchdacht und, falls das doch durchdacht war, herzlos. Einer Trauergemeinde dann zu sagen "Nein, meine Lieben, es ist mir sch***egal, was die Verstorbene Person auf dem Totenbett hören wollte, ich spiele nun Dies Irae" ist ein pseudo-rechtgläubiges Pharisäertum, was den Menschen vollkommen übersieht. Sicher, das allererste Gebot ist das der Gottesliebe, aber das zweite Gebot (Mt 22,39) genau so wichtig. Aus der Gottesliebe erwächst uns die Pflicht der Nächstenliebe, was im konkreten Fall bedeuten kann, daß man nicht in einem Anfall von Orthodoxie eine Trauergemeinde anranzen muß, sondern daß man überlegt, wie weit man ihnen entgegengehen kann (wie viele Meilen man mit ihnen gehen kann, nicht?).
Nebenbei gesagt: Die Wünsche des Verstorbenen zu beachten betreffs die Liedwahl bei der Beerdigung, und sei es Bushido - Berlin, ist wohl eines der einfachsten Zeichen dafür, daß irgendetwas an Glauben an ein Leben nach dem Tod vorhanden ist. Denn man erfüllt den Willen der Toten, als würden diese noch leben, ja, man hat ein schlechtes Gewissen, wenn man dies nicht tut. Wenn ich Seasons in the sun höre, denke ich an meine verstorbene Mutter, wie sie es - so Gott will (was ich doch hoffe!) - in den Himmel geschafft hat und bin erfüllt von der Hoffnung, sie einst wieder zu sehen. Da brauche ich kein christliches Lied dafür.
Da hats mir etwas die Sprache verschlagen und ich muß sagen, daß mir hier auch das Einfühlungsvermögen fehlt (EDIT: Ich finde, daß dem Geistlichen das Einfühlungsvermögen fehlt). Oder zumindest die richtige Taktik, denn man kann beides - ein weltliches Lied und eine geistliche Beerdigung - miteinander verbinden, wenn man es denn clever macht.
Als meine Mutter starb, standen wir Katholen (sprich mein Vater, mein Bruder und ich) vor dem Problem, daß erstens meine Mutter wünschte, daß "Seasons in the Sun" auf ihrer Beerdigung laufen sollte (hier komme ich noch auf einen Punkt von wegen "Glaube an Auferstehung bleibe auf der Strecke), zweitens die Ungläubigen/Gläubigen-Quote ca 50/50 stand (wenn ich es mir recht überlege: Nicht mal das); vor allem der Lebensgefährte meiner Mutter nicht religiös war. Ja, ich weiß, hier geht es nicht um weltlichen Gefallen etc. - aber man muß meiner Meinung nach schon dafür sorgen, daß jeder von einer Trauerfeier einen Funken Hoffnung mitnehmen kann. Und damit man die Herzen öffnet, kann man auch zwei Schritte - nicht den ganzen Weg - entgegen gehen.
In unserem konkreten Fall hieß das, daß nach der Versammlung in der Kapelle von einer langjährigen Freundin (und meines Vaters - ja, und meines Bruders und mir) einige Worte gesprochen wurden - ich muß gestehen, ich weiß gar nicht mehr, ob noch jemand ein "weltliches Gedächtnis" gestiftet hat -, dann wurde dieser weltliche Part mit Seasons in the sun abgeschlossen, worauf die katholische Trauerfeier begann.
Damit waren alle zufrieden. Die Katholen hatten eine würdige, christliche Trauerfeier (mit einer sehr schönen Predigt übrigens), die Atheisten und Agnostiker hatten zuvor einige Worte des Gedächtnisses. Auch die zeitliche Abfolge hat mir gefallen; daß nach dem weltlichen Gedächtnis der Hinweis auf etwas, was über dieses Gedächtnis hinausgeht, vorhanden ist. Ich weiß von den nicht gläubigen, daß die Worte des Priesters und der ganze Ritus sie tief berührt hat. Und, plump gefragt: was will man (erstmal) mehr?
Mit der Erinnerung im Hintergrund finde ich das, was der Priester sagte, einfach nur nicht durchdacht und, falls das doch durchdacht war, herzlos. Einer Trauergemeinde dann zu sagen "Nein, meine Lieben, es ist mir sch***egal, was die Verstorbene Person auf dem Totenbett hören wollte, ich spiele nun Dies Irae" ist ein pseudo-rechtgläubiges Pharisäertum, was den Menschen vollkommen übersieht. Sicher, das allererste Gebot ist das der Gottesliebe, aber das zweite Gebot (Mt 22,39) genau so wichtig. Aus der Gottesliebe erwächst uns die Pflicht der Nächstenliebe, was im konkreten Fall bedeuten kann, daß man nicht in einem Anfall von Orthodoxie eine Trauergemeinde anranzen muß, sondern daß man überlegt, wie weit man ihnen entgegengehen kann (wie viele Meilen man mit ihnen gehen kann, nicht?).
Nebenbei gesagt: Die Wünsche des Verstorbenen zu beachten betreffs die Liedwahl bei der Beerdigung, und sei es Bushido - Berlin, ist wohl eines der einfachsten Zeichen dafür, daß irgendetwas an Glauben an ein Leben nach dem Tod vorhanden ist. Denn man erfüllt den Willen der Toten, als würden diese noch leben, ja, man hat ein schlechtes Gewissen, wenn man dies nicht tut. Wenn ich Seasons in the sun höre, denke ich an meine verstorbene Mutter, wie sie es - so Gott will (was ich doch hoffe!) - in den Himmel geschafft hat und bin erfüllt von der Hoffnung, sie einst wieder zu sehen. Da brauche ich kein christliches Lied dafür.
Mittwoch, Oktober 21, 2009
Schreibblockaden, Sorgen und Englisches Versagen
Sodele, nu wurden doch mal Messungen in meinem Labor aufgenommen und insgesamt hat sich was daraus entwickelt. Zwar für einen Kritikaster wie mich noch zu wenig und noch keine Messungen am System CH4/MgO, aber freuen tu ich mich trotzdem. Es ist einfach schön zu sehen, daß es was zu messen gibt. Der Stein wurde halt ins Rollen gebracht.
Na ja, und da die ersten Messungen mit den ersten Ergebnissen Hand in Hand gehen, wird nun offiziell seit heute auch das erste Paper geschrieben (was auf jeden Fall mega-awesome ist). Und hier merke ich, daß erstens ich in Sachen Englisch etwas krüppelig bin und zweitens geht es mir hier so wie es mir vor meinem IMPRS-Vortrag, vor einem semiprivaten Talk, den ich hielt oder beim Schreiben meiner Diplomarbeit ging: Ich finde dann oft, daß das, was ich sagen will, deutlich mehr Messungen erfordert, daß zu wenig Konsistenz vorliegt.
Kurz und gut: Meine Unsicherheit schlägt gerade wieder etwas zu. Betet doch mal wieder für mich und meine Wissenschaft.
Was heißt meine? PRAY FOR SCIENCE! Das ist doch mal ein Motto!
P.S.: Als alter Mathematica-Fan hab ich nun ein kleines Wolfram alpha-Applet eingefügt.
Na ja, und da die ersten Messungen mit den ersten Ergebnissen Hand in Hand gehen, wird nun offiziell seit heute auch das erste Paper geschrieben (was auf jeden Fall mega-awesome ist). Und hier merke ich, daß erstens ich in Sachen Englisch etwas krüppelig bin und zweitens geht es mir hier so wie es mir vor meinem IMPRS-Vortrag, vor einem semiprivaten Talk, den ich hielt oder beim Schreiben meiner Diplomarbeit ging: Ich finde dann oft, daß das, was ich sagen will, deutlich mehr Messungen erfordert, daß zu wenig Konsistenz vorliegt.
Kurz und gut: Meine Unsicherheit schlägt gerade wieder etwas zu. Betet doch mal wieder für mich und meine Wissenschaft.
Was heißt meine? PRAY FOR SCIENCE! Das ist doch mal ein Motto!
P.S.: Als alter Mathematica-Fan hab ich nun ein kleines Wolfram alpha-Applet eingefügt.
Dienstag, Oktober 20, 2009
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